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Routine, Spannung, Wachstum

Ich spiele nun seit gut drei Jahren Feuershows. Die meisten Auftritte sind zu einem grossen Teil Routine geworden: Mit dem Kunden über Inhalte, Dauer und Pekuniäres verhandeln, Programm zusammenstellen, proben, Material vorbereiten, auftreten, Gage kassieren und alles Material wieder einpacken. Auftritte dieser Art spielen wir mittlerweile viele, und so nach und nach legt sich auch die Nervosität, die früher vor jedem einzelnen Auftritt allgegenwärtig war. Glücklicherweise verspüre ich aber immer noch die gesunde Anspannung, die es mir erlaubt, mit voller Konzentration und Energie aufzutreten. Wir erhalten sie aufrecht, indem wir immer mal wieder neue Show-Elemente einbauen, an den Choreographien feilen und neue Ideen ausprobieren.

Doch manchmal gibt es diesen einen Auftritt, der grösser ist als alles Bisherige. Er verlangt alles ab, was man zu bieten hat. Er wirkt einen beinahe unerträglichen Druck aus, er spielt mit den Emotionen, mit dem Selbstwertgefühl, mit der Gruppendynamik. Und er zeigt, wo man steht. Wo man weiter ist als früher mal.

Der erste Auftritt dieser Art war für mich derjenige bei “Die Liebenden” im September 2012, als wir das erste mal mit über 50 anderen Menschen auf einer riesigen Bühne standen und gemeinsam ein Publikum von vierstelliger Grösse begeisterten. Was haben wir in den Vorbereitungen darauf geschwitzt und uns gezankt, damit auch ja alles gut laufen möge…! In diesen Momenten wächst eine Gruppe zusammen; Man erkennt, ob sie wirklich funktioniert. Der enorme Druck, den wir vor allem uns selbst auferlegt hatten, hat uns viel Energie gekostet, aber er hat uns auch zusammengeschweist und langfristig dafür gesorgt, dass wir noch besser zusammen arbeiten können und unsere Auftritte stetig besser werden.

Der zweite Auftritt, der uns an die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit brachte und unseren Zusammenhalt testete, war im Dezember 2013 beim Weihnachtsessen einer international tätigen Firma. Sie hatten eine Eventhalle gemietet und extra für unseren Show-Block draussen eine Bühne mit PA aufgestellt. Wieder haben wir Blut geschwitzt, um unsere bestmögliche Performance abzuliefern, und abgesehen von kleineren Fehlern machte sich die viele Arbeit bezahlt, der Erfahrungsgewinn war riesig. Und wir wussten, dass wir einen Schritt weiter gekommen sind.

Nicht immer ist es mir schon vor dem Auftritt bewusst, welchen Stellenwert er hat und was er mit der Gruppe anstellen wird. Oder warum wir plötzlich ungewöhnlich nervös werden vor einem Auftritt. Aber ich weiss, warum ich gerade jetzt in diesem Moment nervös bin. Denn morgen steht der dritte wegweisende Auftritt an, der nächste grosse Schritt vorwärts. Am Polyball an der ETH Zürich.

Die feurigen Glockenspieler…

… sind jetzt in der Galerie auf unserer Homepage ersichtlich 🙂 Und wer mehr Show als uns sehen will, darf gerne auch bei Bertschinger Performance vorbeischauen, auch wenn es dort leider erst wenige Bilder hat.