Christchurch: Suburbia im Wiederaufbau

Ich habe bereits im letzten Eintrag erwähnt, dass Christchurch vor wenigen Jahren von einem schweren Erdbeben heimgesucht wurde. Beim heutigen Stadtbummel konnte ich mir einen besseren Eindruck davon verschaffen, wie die Stadt damit zurecht kommt.

Christchurch trägt den Übernamen “Garden City”, und das nicht ohne Grund: Es finden sich nicht nur unzählige kleine und grosse Parks in der Stadt, auch die Strassen und privaten Grundstücke sind mit viel Grün geschmückt. Dadurch, vereint mit der Tatsache, dass ein Grossteil des Wohnraums aus einstöckigen Einfamilienhäusern besteht, ergibt sich schnell der Eindruck, der wohl dem Wunschtraum eines jeden Hüslischwiizers entspricht: Christchurch ist ein riesiges Suburbia.

Wo diese Nebenstrasse wohl liegt? In der Stadtmitte.

Wo diese Nebenstrasse wohl liegt? In der Stadtmitte.

Der Verkehr wird dann auch so bestritten, wie man sich das vorstellt: Es gibt zwar ein Busnetzwerk, mit dem man halbwegs schnell durch die Stadt kommt, aber eigentlich bewegt sich der Bewohner von Christchurch vor allem auf seinen eigenen vier Rädern durch die Stadt. Auch Ausflüge ins Grüne sind ohne eigenes Gefährt quasi unmöglich, denn Züge sind hier etwa so weit verbreitet wie innerhalb der Schweiz Fernbusse, nämlich praktisch gar nicht.

A propos Busse: Die Haltestellen sind durchaus erkenntlich markiert am Strassenrand, aber weder mit einem Namen noch einem genauen Fahrplan ausgestattet. Stattdessen trägt jede Haltestelle eine zufällig wirkende, fünfstellige Nummer, wobei sogar die selbe Haltestelle für die beiden Fahrtrichtungen zwei verschiedene Nummern trägt. Selbstverständlich haben auch diese beiden Nummern keinen Zusammenhang… Der fehlende Fahrplan wird durch eine kleine Box kompensiert, die auf Drücken eines Kopfs die Wartezeit bis zum nächsten Bus anzeigen soll. Zumindest wenn sie funktioniert und tatsächlich etwas Nützliches anzeigt, statt auf den nicht vorhandenen Fahrplan zu verweisen.

Eine Bushaltestelle in Christchurch, mit Haltestellennummer und Infobox von zweifelhafter Nützlichkeit

Eine Bushaltestelle mit Haltestellennummer und Infobox von zweifelhafter Nützlichkeit

Ich bin übrigens ziemlich stolz darauf, dass ich ohne dieses detaillierte Wissen trotzdem den richtigen Bus gefunden habe und sogar die richtige Haltestelle zum Aussteigen erwischt hab, als ich heute morgen die Mall aufsuchte. Als ich dann etwas verloren an der Bushaltestelle stand und nach dem Weg zur Mall fragte, erntete ich aber dennoch einen etwas schiefen Blick, stand ich doch bereits direkt auf dem Parkplatz der besagten Mall. Oops.

Insgesamt habe ich die Neuseeländer aber bisher als äusserst zuvorkommendes und hilfsbereites Volk erleben dürfen, die Stimmung war bisher doch sehr relaxt. Das liegt vermutlich auch daran, dass viele Menschen hier mit den Erdbeben ordentlich etwas durchgemacht haben. Die enorme Zahl eingestürzter Häuser hat für eine beträchtliche Abwanderung und einem verrückten Immobilienmarkt gesorgt. Während manche Stadtteile fast völlig verlassen wurden, sind andere zum teuersten Pflaster Neuseelands aufgestiegen. Die Aufbauarbeiten gehen zwar gut voran, aber für eine so isolierte Insel mit einer vergleichsweise kleinen Population ist es nicht möglich, schnell die Ressourcen für eine rasche Instandsetzung freizusetzen. So sind auch heute noch Maurer und ähnliche Berufsgruppen Mangelware, was dazu führt, dass man als Immigrant mit Fähigkeiten in diesen Gebieten innert kürzester Zeit die neuseeländische Staatsbürgerschaft beantragen kann.


Mehr Bilder von heute gibt es übrigens wie immer in der Bildergalerie – Ich möchte besonders auf die Bilder aus dem Riccarton Bush hinweisen, einem gemütlichen kleinen Park mit uralten Bäumen und vielen Enten, kleine wie grosse. Und es lohnt sich jeweils, auch in der Detailansicht nochmal aufs Bild zu klicken, dann wird nämlich eine deutlich grössere Version angezeigt.

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