Drei Tage im Red Centre Australiens

Wir fuhren morgens um halb 6 in Alice Springs los. Erstes Ziel war es, gegen Mittag am Ayers Rock Airport die restlichen Reisegruppenmitglieder aufzugabeln. Aber moment, das sollte doch hier gleich in der Nähe sein…? Nun, für australische Verhältnisse sind Uluru und Alice Springs tatsächlich ziemlich nahe, nämlich nur etwa 500km entfernt! Das macht man problemlos mal vorm Mittagessen…

Nach etwa 6 Stunden kamen wir dann auch tatsächlich an, mit 14 Teilnehmern waren wir eine glücklicherweise eher kleinere Gruppe. Nach einer kurzen Mittagspause ging es auch schon zum wohl berühmtesten (aber nur zweitgrössten) Felsen der Welt: Uluru, auch bekannt als Ayers Rock. Aufgrund der brütenden Hitze von 42 Grad war die geplante Umrundung, die üblicherweise zwischen 3 und 4 Stunden dauert, nicht möglich. Also fuhren wir im Bus rundrum und besuchten die wichtigsten Stelle zu Fuss.

Schon beim ersten Stop wurden wir darauf hingewiesen, dass die lokalen Anangu-Aborigines äusserst strikten religiösen Regeln der Tjukurpa [Wikipedia] folgen; Gewisse Orte um Uluru sind Männern vorbehalten, andere den Frauen. Wer trotzdem aus irgendwelchen Gründen die Orte des anderen Geschlechts sieht, muss schwere Folterstrafen über sich ergehen lassen, die auch im Tod enden können. Dazu reicht es übrigens, versehentlich ein aus Ignoranz oder Unachtsamkeit hochgeladenes Facebook-Foto zu sehen…

Wir verbrachten fast 24 Stunden um Uluru [26 Fotos]: Nach der Wanderung gings zum Aussichtspunkt für den Sonnenuntergang, wo wir die spektakulären Farbveränderungen beobachten konnten [16 Fotos bei konstantem Weissabgleich, aber wechselndem ISO]. Danach ging es zu einem Camp in der Nähe – Aber halt, ich war ja immer noch ohne Gepäck unterwegs! Das wurde in der Zwischenzeit bei einem Hotel in der Nähe zwischengelagert, so dass wir es auf dem Weg zum Camp abholen konnten.

Im Camp übernachteten wir in sogenannten Swags draussen unter den Sternen. Ein Swag ist eine Art äusserer Schlafsack mit integrierter Matratze, der vor Tieren und Nässe schützt. Nach einem Crashkurs zum Thema  “Wie schütze ich mich beim Übernachten im Outback vor Schlangen und Skorpionen” (Antwort: Mit einem Stock eine Linie in den Sand um den Swag ziehen und Salz reinstreuen. Klingt ein bisschen wie Voodoo, ist es vielleicht auch) legten wir uns mit einem etwas mulmigen Gefühl schlafen. Lange sollte die Nacht nicht sein, denn wir wollten auch den Sonnenaufgang am Uluru sehen, und der ist ja durchaus sehenswert.

Danach ging es weiter zur nächsten berühmten Felsformation im Outback, Kata Tjuta. In der am Morgen noch erträglichen Hitze verbrachten wir etwa 3 Stunden auf einer Wanderung durch die roten Felsen, schossen dutzende Gruppenfotos [Facebook] und sahen auch noch ein Wallaby, eine Art kleines Känguru. Es folgte Mount Conners alias Fooluru, der aus der Entfernung ein bisschen wie Uluru aussieht und deutlich näher an Alice Springs liegt, weshalb offenbar gewisse Touris nur zum Mount Conners fahren und dort umkehren, weil sie ihn für Uluru halten. [27 Fotos]

Wieder übernachteten wir unter den Sternen, aber dieses Mal an einem Ort, wo es offenbar viele Skorpione gebe. Der Untergrund war dieses Mal Gras, wodurch die Anweisungen der letzten Nacht hinfällig wurden. Unser Reiseleiter meinte nur “Oh, if you see a scorpion, just impale it with a stick”, was nun nicht unbedingt zur Beruhigung beitrug. Trotzdem passierte auch diese Nacht nichts.

Der letzte Halt der Tour sollte auch der spektakulärste werden: Kings Canyon [40 Fotos]. Der Sandsteincanyon bietet alles, was man sich von einem Naturwunder wünscht: Steile Klippen, eigenartige und wundersame Felsformationen, und mittendrin ein kleiner Fluss mit Wasserloch, der die ganze Gegend begrünt und für eine reichhaltige Fauna und Flora sorgt. Weitere Worte sind überflüssig.

Zusammenfassend waren die 3 Tage im Outback aus verschiedenen Gründen eine Zeit, die mich äusserst beeindruckt haben. Einerseits war da die unglaubliche Präsenz eines Uluru, der eine unbeschreibliche Vielfalt an Farben und Formen zeigt, wenn man ihn sich nur mal von Nahem betrachtet. Auch die anderen zwei grossen Orte, Kata Tjuta und Kings Canyon, waren auf ihre Weise magisch anziehend. Andererseits waren da auch die enorme Hitze, die ungewohnten Tiere und Pflanzen, die enormen Distanzen, das Schlafen unter dem freien Sternenhimmel, die viele bisherige Erfahrungen in den Schatten stellen.

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