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Feucht, Nass, und dann auch noch Regen: Whitsunday Islands

Nach dem Sandabenteuer auf Fraser Island ging es schlagartig weiter, denn nur 2 Tage später war ich für eine Segeltour auf den Whitsunday Islands gebucht. Die sind aber rund 800km oder 9-10 Autostunden nördlich gelegen, was für einen weiteren Roadtrip-Tag sorgen sollte. Glücklicherweise fand ich auf der Fraser-Tour 2 Belgier, die ebenfalls unterwegs zu den Whitsundays waren und es bevorzugten, bei mir im Auto mitzufahren statt den Greyhound zu benutzen. Mit 3 Fahrern, die jeweils gut 3 Stunden hinterm Steuer sassen, liess sich die Strecke zügig und ohne gefährliche Müdigkeit befahren, sodass wir Airlie Beach, den Ausgangspunkt für Whitsunday-Reisen, bereits gegen 18 Uhr erreichten.

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Der Hafen von Airlie Beach

Tags darauf ging es nach dem Mittagessen los aufs Segelboot: Die Silent Night sollte es sein, ein bereits etwas älteres Rennsegelboot, aber immer noch gut im Schuss, ausgestattet mit 12 Schlafplätzen. Bei leicht bewölktem Wetter, aber ordentlichem Wind, segelten wir also los. Unser Captain hatte seinen Spass daran, immer mal wieder eine der grossen Wellen so anzufahren, dass wir Passagiere, die auf der Luv-Kante des Bootes sassen, ordentlich geduscht wurden. Die Abkühlung davon war willkommen, die Unausweichlichkeit eher weniger. Aber schliesslich kamen wir an und gingen ein erstes Mal Schnorcheln, und darauf wollte ich nicht verzichten: Schliesslich sind die Whitsundays ein küstennaher Ausläufer des berühmten Great Barrier Reefs und mit Korallen geschmückt. Und um es kurz zu machen: Yup, in Korallenriffs zu schnorcheln ist so cool wie es sich anhört und schöner, als man es aus Filmen kennt. Die Farben und Formen der Korallen sind unvergleichlich schön, die Fische von fabelhafter Vielfalt, ich hätte Stunden dort unten verbringen können. Leider mussten wir dann aber doch irgendwann weiter zu unserem Ankerplatz zwischen Hook und Whitsunday Island.

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Sonnenuntergang vor Hook Island

Tags darauf segelten wir dann um Whitsunday Island herum, und dieses Mal durften wir auch einige Manöver zum Drehen des Bootes durchführen. Da ich meistens weit vorne sass, durfte ich im besten Jump-and-Run-Stil auf Kommando zur Lee-Seite des Bootes rüberklettern. Unser Ziel war das Postkartenmotiv der Whitsundays schlechthin: Whitehaven Beach, ein scheinbar endloser, weisser Sandstrand mit türkis-blauem Wasser. Leider war das Wetter an diesem Tag durchzogen, mit vielen Windböen und ständig aufkommendem Regen, wodurch meine Fotos nicht besonders spektakulär ausfielen – Aber sehenswert sind sie allemal. Den Spass liessen wir uns auch nicht vermiesen, gab es doch auch so einiges zu sehen: Riesige Schildkröten im tiefen Wasser, Stechrochen im flachen Wasser, dazu wieder Unmengen an Vögeln und Echsen im Regenwald. Meinem Handy bekam die ungewöhnliche Mischung von Regenwasser, Sand und Meerwasser nicht besonders, so dass es trotz einer wasserdichten Tüte über mehrere Stunden wahlweise die Sim-Karte oder die SD-Karte nicht akzeptieren wollte…

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Whitehaven Beach, bewölkt

Danach segelten wir weiter, wieder mit einigen Manövern, um erneut Schnorcheln zu gehen. Unser Tourguide erwähnte einen hier wohnenden Napoleon-Lippfisch, den wir vielleicht sehen würden. In freudiger Erwartung stürzten wir uns also in die Stinger Suits, die uns vor Quallen schützen sollen, zogen die unbequemen Taucherbrillen an und sprangen ins Wasser. Wir mussten nicht lange suchen: Der riesige Fisch schwamm nach dem Untertauchen direkt vor meiner Nase, begleitet von mannigfaltigen Fischschwärmen in allen Farben. Was für ein Anblick!

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Die Silent Night, unser Segelboot

Auch hier hätte ich noch lange bleiben können, doch erneut mussten wir bald weiter fahren um unseren nächtlichen Ankerplatz aufzusuchen. Mittlerweile hatte der Regen aufgehört, sodass wir einige Kleider trocknen konnten – Aber nicht für lange, denn bald nach Einbruch der Dunkelheit sollte es schon wieder regnen. Fix spannten wir eine Plane über den Ausleger, damit wir uns nicht alle in die doch etwas enge Kabine quetschen mussten.

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Hayman Island, ein 6-Sterne-Resort. Für ein Mittagessen sollte man mit 2000 CHF pro Person rechnen.

Am letzten Morgen schien dann endlich die Sonne! Nachdem die Sicht im Korallenriff bei den ersten beiden Schnorchelplätzen aufgrund des Regens nicht besonders gut war, hatten wir dieses Mal wenigstens die erhellenden Sonnenstrahlen, die für eine satte Farbenpracht sorgten und so auch den dritten Tauchgang zu einem Spektakel machten.

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Fussspuren auf Whitehaven Beach

Auf dem Weg zurück nach Airlie Beach zeigte unser Captain dann noch, wozu dieses Boot wirklich fähig war, und führte es oft so hart am Wind, dass das Deck der Lee-Seite unter Wasser war. Ein Blick auf die andere Seite des Bootes fühlte sich denn auch so an, als stünden wir praktisch senkrecht im Wasser, aber der tatsächlich Winkel dürfte um die 45 Grad betragen haben.

Ach, und Fotos gibts natürlich auch dieses Mal, aber “nur” deren 42.

Es ist soweit: Halbzeit

Halbzeit. Der Zeitpunkt meiner Rückkehr ist näher als der Zeitpunkt meines Abflugs. Und ich weiss gar nicht, warum ich diesen Tag ausgerechnet habe und ihn euch mitteile. Vielleicht ist es eine Erinnerung an mich selbst, dass ich mein Leben weniger nach Zahlen leben sollte. Ja, das klingt gut, oder?

Sand, Sand, und noch mehr Sand: Fraser Island

Nach dem Besuch des Crystal Castles fuhr ich nach Brisbane zu einem befreundeten Feuerspieler, den ich auf den Festivals in Neuseeland kennengelernt hatte. Es blieben mir nun noch etwa 2 Wochen, bis ich von Cairns nach Bali fliegen würde. Ein Blick auf den Kalender sowie ein erleichterndes Überprüfen des Kontostandes später beschloss ich, für die letzten grossen Sehenswürdigkeiten, die allesamt etwas schwieriger alleine zu erkunden sind, Abenteuertouren zu buchen. Erstes Ziel: Fraser Island.

Diese Insel ist in vielerlei Hinsicht herausragend:

  • Erstens ist sie mit über 1800 Quadratkilometern die wahrscheinlich grösste Sandinsel der Welt. Rund 125 km lang, etwa 15-20 km breit. Und alles ist aus Sand.
  • Zweitens beherbergt sie gut Unmengen an Tieren: Neben Schlangen, Spinnen und Waranen (ja, da hab ich nun einen gesehen) leben auf Fraser Island etwa 150 Dingos, die verwilderten, wolfsähnlichen Haushunde. Sie sind äusserst agressiv und nicht ungefährlich, und mögen vor allem eines: Essen klauen.
  • Drittens ist sie fast vollständig mit Regenwald bewachsen, der auf Sand doch etwas anderes funktioniert als andere Regenwälder. Nur in Symbiose mit einem speziellen Pilz schaffen es die Bäume, wirklich Wurzeln zu schlagen.
  • Viertens finden sich rund 200 Süsswasserseen auf ihr, die meisten davon unglaublich rein und klar, denn sie sind vor allem von hochreinem Quarzsand umgeben. Rund 40 dieser Seen bestehen aus schwebendem Grundwasser, ohne Zu- und Abfluss – Von dieser Art See sind weltweit rund 80 Stück bekannt. (Stichwort: Perched Lake.)
  • Fünftens sind dann natürlich auch die Bachbette aus Sand. Ein seltener Anblick.
  • Sechstens braucht es aufgrund des Sandes sowohl ein geeignetes Fahrzeug als auch einen wirklich guten Fahrer, um auf der Insel vorwärts zu kommen. Vierradantrieb ist Pflicht, besser ein richtiger Jeep oder im Idealfall eine Spezialanfertigung. Habt ihr gewusst, dass so ein Sandstrand bei Ebbe eine tolle Strasse abgibt, auf der man problemlos 80 km/h fahren kann?
  • Siebtens verändert sich die Insel aufgrund ihrer Sandnatur wahnsinning schnell: Die riesigen Wanderdünen bewegen sich mit etwa einem Meter pro Jahr vorwärts und zerstören alles, was sich in den Weg stellt. Unter anderem auch die SS Mohena, die dort gestrandet ist und nun vor sich hin rostet bzw. vom Sand verschluckt wird.

In 2 Tagen sind so 79 Fotos entstanden, die die Natur von ihrer gewaltigsten, aber auch schönsten Seite zeigen. Dieses Mal inklusive Luftfotos aus einer Cessna!

Ein Loch im Zelt

Der letzte Eintrag berichtete kurz von Byron Bay und dem Crystal Castle. Aber wie kam ich eigentlich dort hin? Wir erinnern uns: Ich schrieb nicht viel darüber, aber ich war in und um Sydney und landete schliesslich in Newcastle, etwa 2 Stunden nördlich von Sydney.

Von dort aus fuhr ich weiter Richtung Brisbane. Ich teilte die Fahrt von etwa 9 Stunden in 3 Etappen auf, um nach einem eher enttäuschenden Zwischenhalt bei Murray’s Craft Brewing Co. [Review bei Ratebeer] einmal mehr die Nationalparks aufzusuchen. Die Wanderungen blieben für ein Mal aus, ich genoss stattdessen die Ruhe, meditierte ausgiebig und schrieb Postkarten (nicht zu verwechseln mit Ansichtskarten, das werden die zahlreichen Empfänger auch noch feststellen müssen). Aus diesem Grund gibt es von diesen Tagen auch wenig Spektakuläres zu berichten. Doch halt, wenig ist nicht nichts!

Im Yuraygir hat sich die Fauna nämlich sowohl von ihrer guten wie auch von ihrer schlechten Seite gezeigt. Im von mir auserwählten Campingplatz wimmelte es nämlich von Kängurus. Am Abend vergnügten sich da einfach mal mindestens 10 von ihnen in unmittelbarer Nähe meines Zelts. Angeblich tummeln sich dort auch Warane und Emus, aber deren Anblick blieb mir (vorerst!) leider verwehrt. Dafür durfte ich des Nachts feststellen, dass sich auch anderes Getier dort herumtreibt.

Ein leises, aber kontinuierliches Rascheln weckte mich. Ich beschloss, dass da wohl ausserhalb des Zeltes irgend ein Tier entweder die Bananenschale oder die leere Müsliriegel-Verpackung, die in meinem Zelt lagen, riechen muss und blieb liegen. Nach einer Weile konnte ich nicht mehr verneinen, dass das Geräusch doch von näher kam, von innerhalb des Zeltes. Für 2 Sekunden schob ich das Rascheln auf Wind und die Riegelpackung oder vielleicht eine umherrollende Wasserflasche, bis mir auffiel, dass dieser Gedanke völlig absurd war, denn es war windstill. Also: Licht an.

Da war ein Loch im Netz des Innenzelts, in etwa einem halben Meter Höhe. Und ausserdem sass da eine Ratte in der Ecke und schaute mich mit tiefschwarzen Augen an. Das gierige Biest hatte wohl meine Essensreste gerochen. Jedenfalls hat es sich tatsächlich entlang des halboffenen Reisverschlusses des Aussenzelts hochgehangelt, von wo aus es ein Loch in das belüftende Netz des Innenzelts nagen konnte. Aus dem Innenzelt heraus gab es dann aber keine rettende Kletterhilfe, wodurch die Ratte gefangen war. Seufzend und mein nun kaputtes Zelt betrauernd half ich der Ratte mit meinen Flipflops durch die mittlerweile geöffnete Zelttür und verbrachte die letzten Stunden der Nacht mehr wach als schlafend, denn mit Loch im Zelt war das Wohlbefinden beträchtlich gestört.

Und Fotos? Fotos gabs deren 28 nach Newcastle bis und mit Crystal Castle.

A Spontaneous Invitation

As I started my drive from Byron Bay to Brisbane I noticed a hitchhiker. She looked colourful and happy. I stopped and asked where she was headed. After she explained the local geography to me we agreed that Mullumbimby would not be much of a detour for me, and somehow that name rang a bell within me anyway; I invited her to come with me.

On our way we told each other of our homes and what keeps us going. She concluded that I would absolutely have to visit the Crystal Castle, just 10 minutes from Mullumbimby by car. It wasn’t something I had planned for, but still: I followed her invitation to explore. And what I have found! It starts with this quote from Oriah Mountain Dreamer’s The Invitation.


 

It doesn’t interest me what you do for a living. I want to know what you ache for and if you dare to dream of meeting your heart’s longing.

It doesn’t interest me how old you are. I want to know if you will risk looking like a fool for love, for your dream, for the adventure of being alive.

It doesn’t interest me what planets are squaring your moon. I want to know if you have touched the center of your own sorrow, if you have been opened by life’s betrayals or have become shrivelled and closed from fear of further pain.

I want to know if you can sit with pain, mine or your own, without moving to hide it, or fade it, or fix it.

I want to know if you can be with joy, mine or your own; if you can dance with the wildness and let the ecstasy fill you to the tips of your fingers and toes without cautioning us to be careful, be realistic, remember the limitations of being human.

It does’nt interest me if the story you are telling me is true. I want to know if you can disappoint another to be true to yourself. If you can bear the accusation of betrayal and not betray your own soul. If you can be faithless and therefore trustworthy.

I want to know if you can see beauty even when it is not pretty every day. And if you can source your own life from its presence.

I want to know if you can live with failure, yours and mine, and still stand at the edge of the lake and shout to the silver of the full moon, ‘Yes.’

It doesn’t interest me to know where you live or how much money you have. I want to know if you can get up after the night of grief and despair, weary and bruised to the bone and what needs to be done to feed the children.

It doesn’t interest me who you know or how you came to be here. I want to know if you will stand in the center of the fire with me and not shrink back.

It doesn’t interest me where or what or with whom you have studies. I want to know what sustains you from the inside when all else falls away.

I want to know if you can be alone with yourself and if you truly like the company you keep in the empty moments.

Bilder statt Worte [Updated]

  • Lake Hume, Mount Granya, Holbrook: 14 Fotos, mit einem See voller Bäume und vielen Spinnen. Und einem gestrandeten U-Boot.
  • Blue Mountains, mit Three Sisters und Wentworth Falls: 48 Fotos, in einem Canyon mit bläulichem schimmerndem Wald, vielen Felsen und Wasserfällen.
  • Sydney: 27 Fotos, mit dem Coogee Beach, dem Museum of Contemporary Art, dem Opera House und der Cricketweltmeisterschaft. Sic!
  • Newcastle: [20 Fotos 33 Fotos], mit Stephan, vielen Strandfotos und etwas Getier, das dort kreucht und fleucht.

Update: 13 weitere Bilder von einem Sonnenaufgang in Newcastle.

Tag 54: Ein Monolog

Es ist Donnerstag Morgen, ich befinde mich in einem hell ausgestatteten Zimmer in Coogee, Sydney. 53 Nächte sind vergangen, seit ich loszog, um die Welt (oder mindenstens einige weit entfernte, mir unbekannte Teile davon)  zu sehen. Deren 88 werden noch folgen. Eigentlich kein schlechter Zeitpunkt für eine Bestandesaufnahme.

Ich bin müde.

In Neuseeland habe ich einen gesunden Mix zwischen Umherreisen und stationären Festivals erwischt. Der rasante Roadtrip voller herausragender Landschaften in der Einsamkeit hatte mich ausgelaugt, ich sehnte mich nach etwas Ruhe und… Menschen. Ja, auch ich, der Einzelgänger, der gerne und oft alleine Projekte und Reisen plant und durchführt, sehnte mich nach Mitstreitern. Die mir nahe stehen, die fragen, wie es mir geht und das nicht nur als Höflichkeitsfloskel verstehen. Mit denen man Erlebnisse teilen kann.

Ich fand sie. Auf den Festivals in Neuseeland, über 2 Wochen mit den selben tollen Menschen um mich herum. Und ich war glücklich, hatte eine wundervolle Zeit, spürte viel Kraft in mir, sprühte vor Kreativität, riss Projekte an. Ich genoss die Zeit sehr, war mir bewusst, wie gut es mir ging. Und dass das nicht immer so sein würde. Nach den Festivals verliess ich Neuseeland, geräuschlos weinend.

Es folgte Australien. Auch ein schönes Land, ich durfte auch hier unzählige Naturwunder bestaunen, manch eines rührte mich gar zu Tränen. Auch hier machte ich faszinierende Bekanntschaften. Aber aufgrund meiner Reisepläne und des steten Weiterfahrens sollten sie für den Moment alle nur kurz ausgelebt werden können.

Ich eile von Ort zu Ort, von Stadt zum Nationalpark und weiter in die nächste Stadt. Lerne Menschen flüchtig kennen und weiss, dass ich sie nie wieder sehen werde. Trinke einen Kaffee hier, esse einen Pie dort, genehmige mir ein lokales Craftbeer, oft mit dem Smartphone in der Hand. Es ist das kleine Fenster zur Welt der Menschen, nach denen ich mich sehne. Familie, Freunde, Feuerkünstler, Trinkkumpanen: Gute Gesellschaft, die mir nahe steht. Ich wurde bereits kritisiert, ich sei zu oft auf Facebook und schreibe zu viele Blogposts, so könne ich den Urlaub doch gar nicht geniessen! Dabei tue ich das doch nur, weil ich euch liebe.

Bald ist Mittag. Ich habe die Stadt noch fast gar nicht erkundet, das sollte ich wohl mal tun. Auch wenn ich müde bin. Etwas angewidert betrachte ich den Kalender: Die nächsten 2 Wochen werden ähnlich wie die letzten. Immerhin treffe ich unterwegs Menschen, die ich schon länger kenne, das wird mich aufheitern.  Und dann kommen ja wieder Zeiten mit weniger Reisehast: Tauchen in Cairns, Jonglierfestivals auf Bali, Meditationskurs in Sydney. Keine schlechten Aussichten.

Weiterhin zerbreche ich mir den Kopf darüber, wo und wie ich den letzten Monat verbringen soll. Ich beschliesse, dass der aktuelle Gemütszustand nicht der richtige ist, um weiter darüber nachzudenken, packe meine Jongliersachen in den Rucksack und fahre los, Sydney doch noch zu erkunden.

Eine Wanderung und eine Party

Melbourne befindet sich nahe (heisst hier: In 250 km Entfernung) am südlichsten Punkt des australischen Festlandes, der wiederum in einem Nationalpark, Wilsons Promontory, liegt. Ich wollte schon länger eine etwas ausgiebigere Wanderung unternehmen, die auch mal mehr als nur einen Tag dauert. Ich beschloss, eben diesen südlichsten Punkt zu besuchen: Wenn ich am ersten Tag gegen Mittag beim Parkplatz ankommen sollte, müssten die mit 4,5 Stunden angegebenen 12 km doch eigentlich ganz gut machbar sein… Tags darauf wären dann 7 km zum South Point und zurück sowie die 12 km zurück zum Parkplatz angesagt.

Der erste Tag der Wanderung verlief dann auch wie am Schnürchen: Wie von Neuseeland gewohnt waren die 4,5 Stunden äusserst grosszügig berechnet, so dass ich trotz Nachmittagshitze und einigen Pausen bereits nach 3,5 Stunden am Campingplatz ankam. Leider war der Wanderweg dort hin ziemlich enttäuschend, bewegte ich mich doch ausschliesslich auf breiten, Jeep-tauglichen Kiesstrassen und äusserst grosszügig angelegten, mehr als einen Meter breiten Buschwegen. Noch bei guten Kräften und hungrig nach einer grösseren Herausforderung überlegte ich mir nun, die Wanderung etwas zu erweitern: Ich könnte ja bereits jetzt am Abend noch zum Sonnenuntergang zum South Pount gehen und am nächsten Tag den Rückweg etwas verlängern. In Gesprächen mit anderen Wanderern liess ich mich jedoch von einer anderen Idee überzeugen: Etwas weiter weg lag das typische Ziel von Wanderungen in diesem Nationalpark geben, der Leuchtturm. Das würde die 7 km auf 12 erhöhen.

Ich änderte also meine Pläne, ging früh schlafen und startete zeitig auf die 24 Kilometer, die heute vor mir lagen. In der Zwischenzeit musste ich auch feststellen, dass ich an meiner Essensplanung durchaus noch etwas feilen kann. die Snacks und das Brot gingen ganz gut auf, aber bei den Brotbeilagen war ich mit Hummus, Käse, Erdnusbutter und Pesto etwas gar grosszügig. Eins davon hätte auch gereicht, und so schleppte ich einige Kilo zu viel durch den Nationalpark. Meine Wasserrechnung ging mit 6 Litern für 1,5 Tage aber sehr gut auf, und auch sonst brauchte ich fast alles mitgebrachte.

Der Abschnitt zum Leuchtturm und zurück war dann durchaus etwas interessanter, aber auch dieser Weg und der Leuchtturm konnten mich nicht wirklich begeistern. Vielleicht bin ich doch schon etwas verwöhnt vom deutlich spektakuläreren Neuseeland und dem roten Zentrum Australiens? Ein paar wenige Fotos gabs trotzdem, aber ich war mehr mit Rucksacktragen als mit Fotografieren beschäftigt. Immerhin gabs allerlei wildes Getier: Ich schreckte (wieder mal) ein Wallaby auf, sah das erste Mal Schlangen in der freien Wildbahn (mindestens eine davon potentiell lebensgefährlich) und entdeckte Echsen und Vögel in allen Grössen und Farben. [7 Fotos]

Am späten Nachmittag traf ich hundemüde, aber glücklich über meine erste total unabhängige zweitägige Wanderung, wieder beim Parkplatz ein. Und nun, wohin? Ich war etwas unschlüssig. Zurück in die Stadt? Doch mal an den Strand? Mehr Wanderungen? Der Südküste entlang Richtung Sydney losfahren? Keine der Optionen machte mich wirklich glücklich. Ich erinnerte mich daran, dass bei meinen Gastgebern in Melbourne eine Party stattfinden sollte. Ich war mir zwar nicht so sicher, ob ich nach der ausgiebigen Wanderung und der langen Autofahrt (250 km, man erinnere sich) noch viel von der Party haben würde, aber nachdem ich seit den Festivals in Neuseeland keine tolle Fete mehr hatte, sehnte ich mich nach dicken Bässen und ausgelassener Stimmung. Ausserdem hatte ich mich tags zuvor nicht richtig von meinen Gastgebern verabschieden können…

Ich fuhr also wieder nach Melbourne. Ich traf recht früh ein, was mir die Gelegenheit für eine wohl verdiente wie auch dringend benötigte Dusche gab, zog die ausgefallenste Kleidung meiner spärlichen Reisegarderobe an, und liess michauf der Party einfach treiben. Und tatsächlich war diese Party genau das, was ich brauchte: Ich frage mich ja, woher ich diese Energiereserven nahm, hätte doch nach der langen Wanderung und der Autofahrt nicht mehr viel Kraft übrig bleiben sollen, aber ich tanzte trotzdem bis tief in die Nacht und legte mich erst gegen 4 Uhr früh schlafen. Ein rundum erfüllender Tag ging zu Ende.

Städte und Strassen im Süden

Nach den grandiosen Tagen im Zentrum Australien startete ich den zweiten Roadtrip meiner Reise, und dieser sollte deutlich länger ausfallen: Von Adelaide in Südaustralien nach Cairns im Nordosten war das Ziel, durch die Flüge vorgegeben in 38 Tagen. Zwischenstops hatte ich dabei noch keine gross eingeplant, ausser den fast unumgänglichen Städtebesuchen in Melbourne, Sydney und Brisbane. Der Routenplaner spuckt dafür übrigns rund 4’000 Kilometer aus, aber verteilt auf die 38 Tage klingt das doch eigentlich ganz gut machbar.

Ich kam also donnerstags in Adelaide an, holte meinen Mietwagen ab (Kostenpunkt: Schlappe 30 Franken pro Tag für einen ziemlich neuen, schnittig roten Hyundai Elantra), checkte im Hostel ein (wo ich erstmal von einer Schweizerin an den Rezeption begrüsst wurde), machte meinen ersten Abstecher in den Ozean und fuhr gleich schon am nächsten Morgen los Richtung Melbourne. Warum ich es so eilig hatte? Nun, wie ich von meinen Freunden in Melbourne wusste, findet dort jeweils Sonntag Nachmittag ein grosser Flow Arts Spin Jam statt, und das wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Ich brachte also in 3 Tagen wieder mal deutlich mehr als 1’000 km unter die Räder und quetschte die berühmte Great Ocean Road in einen Morgen rein. Zugegebenermassen könnte man dort noch viel mehr Zeit verbringen: Die Steilküsten bieten einen durchaus sehenswerten Anblick, Regenwald hat man auch nicht alle Tage, die Strände sahen alle ganz nett aus… Aber am meisten Spass hatte ich doch einfach daran, mit Tempomat der kurvigen Küstenstrasse entlang zu cruisen und alles an mir vorbeiziehen zu lassen. Ich fühlte mich frei und genoss das Gefühl, genau dort anhalten zu können, wo ich wollte. Und das war bei meiner Fahrlaune nun mal nicht oft, was denn auch die eher spärliche Anzahl Fotos von diesem Abschnitt erklärt. [37 Fotos]

In Melbourne selbst blieb ich dann ein paar Tage, die ich mit etwas Sightseeing, einigem Flow Arts Training und viel Faulenzen verbrachte. In den Tagen zuvor hatte ich meine Entscheidung bezüglich der weiteren Reisepläne getroffen und benötigte dringend etwas Entspannung, die ich mir so holte. Nach dem erfolglosen Versuch, am Donnerstag Morgen ein Ticket für den Burning man zu ergattern (Na, vielleicht klappts ja noch auf anderem Wege…), hatte ich aber auch wieder genug vom süssen Nichtstun und der pulsierenden Grossstadt mit so vielen Menschen. Ich fühlte mich eingeengt und wollte nur noch eines: Fliehen, am besten in die Natur.

Drei Tage im Red Centre Australiens

Wir fuhren morgens um halb 6 in Alice Springs los. Erstes Ziel war es, gegen Mittag am Ayers Rock Airport die restlichen Reisegruppenmitglieder aufzugabeln. Aber moment, das sollte doch hier gleich in der Nähe sein…? Nun, für australische Verhältnisse sind Uluru und Alice Springs tatsächlich ziemlich nahe, nämlich nur etwa 500km entfernt! Das macht man problemlos mal vorm Mittagessen…

Nach etwa 6 Stunden kamen wir dann auch tatsächlich an, mit 14 Teilnehmern waren wir eine glücklicherweise eher kleinere Gruppe. Nach einer kurzen Mittagspause ging es auch schon zum wohl berühmtesten (aber nur zweitgrössten) Felsen der Welt: Uluru, auch bekannt als Ayers Rock. Aufgrund der brütenden Hitze von 42 Grad war die geplante Umrundung, die üblicherweise zwischen 3 und 4 Stunden dauert, nicht möglich. Also fuhren wir im Bus rundrum und besuchten die wichtigsten Stelle zu Fuss.

Schon beim ersten Stop wurden wir darauf hingewiesen, dass die lokalen Anangu-Aborigines äusserst strikten religiösen Regeln der Tjukurpa [Wikipedia] folgen; Gewisse Orte um Uluru sind Männern vorbehalten, andere den Frauen. Wer trotzdem aus irgendwelchen Gründen die Orte des anderen Geschlechts sieht, muss schwere Folterstrafen über sich ergehen lassen, die auch im Tod enden können. Dazu reicht es übrigens, versehentlich ein aus Ignoranz oder Unachtsamkeit hochgeladenes Facebook-Foto zu sehen…

Wir verbrachten fast 24 Stunden um Uluru [26 Fotos]: Nach der Wanderung gings zum Aussichtspunkt für den Sonnenuntergang, wo wir die spektakulären Farbveränderungen beobachten konnten [16 Fotos bei konstantem Weissabgleich, aber wechselndem ISO]. Danach ging es zu einem Camp in der Nähe – Aber halt, ich war ja immer noch ohne Gepäck unterwegs! Das wurde in der Zwischenzeit bei einem Hotel in der Nähe zwischengelagert, so dass wir es auf dem Weg zum Camp abholen konnten.

Im Camp übernachteten wir in sogenannten Swags draussen unter den Sternen. Ein Swag ist eine Art äusserer Schlafsack mit integrierter Matratze, der vor Tieren und Nässe schützt. Nach einem Crashkurs zum Thema  “Wie schütze ich mich beim Übernachten im Outback vor Schlangen und Skorpionen” (Antwort: Mit einem Stock eine Linie in den Sand um den Swag ziehen und Salz reinstreuen. Klingt ein bisschen wie Voodoo, ist es vielleicht auch) legten wir uns mit einem etwas mulmigen Gefühl schlafen. Lange sollte die Nacht nicht sein, denn wir wollten auch den Sonnenaufgang am Uluru sehen, und der ist ja durchaus sehenswert.

Danach ging es weiter zur nächsten berühmten Felsformation im Outback, Kata Tjuta. In der am Morgen noch erträglichen Hitze verbrachten wir etwa 3 Stunden auf einer Wanderung durch die roten Felsen, schossen dutzende Gruppenfotos [Facebook] und sahen auch noch ein Wallaby, eine Art kleines Känguru. Es folgte Mount Conners alias Fooluru, der aus der Entfernung ein bisschen wie Uluru aussieht und deutlich näher an Alice Springs liegt, weshalb offenbar gewisse Touris nur zum Mount Conners fahren und dort umkehren, weil sie ihn für Uluru halten. [27 Fotos]

Wieder übernachteten wir unter den Sternen, aber dieses Mal an einem Ort, wo es offenbar viele Skorpione gebe. Der Untergrund war dieses Mal Gras, wodurch die Anweisungen der letzten Nacht hinfällig wurden. Unser Reiseleiter meinte nur “Oh, if you see a scorpion, just impale it with a stick”, was nun nicht unbedingt zur Beruhigung beitrug. Trotzdem passierte auch diese Nacht nichts.

Der letzte Halt der Tour sollte auch der spektakulärste werden: Kings Canyon [40 Fotos]. Der Sandsteincanyon bietet alles, was man sich von einem Naturwunder wünscht: Steile Klippen, eigenartige und wundersame Felsformationen, und mittendrin ein kleiner Fluss mit Wasserloch, der die ganze Gegend begrünt und für eine reichhaltige Fauna und Flora sorgt. Weitere Worte sind überflüssig.

Zusammenfassend waren die 3 Tage im Outback aus verschiedenen Gründen eine Zeit, die mich äusserst beeindruckt haben. Einerseits war da die unglaubliche Präsenz eines Uluru, der eine unbeschreibliche Vielfalt an Farben und Formen zeigt, wenn man ihn sich nur mal von Nahem betrachtet. Auch die anderen zwei grossen Orte, Kata Tjuta und Kings Canyon, waren auf ihre Weise magisch anziehend. Andererseits waren da auch die enorme Hitze, die ungewohnten Tiere und Pflanzen, die enormen Distanzen, das Schlafen unter dem freien Sternenhimmel, die viele bisherige Erfahrungen in den Schatten stellen.