Bali.Play 2015

Nach der ersten Nacht im gemütlich Homestay ging es für mich weiter zur ersten Jonglierconvention dieses Jahres: Bali.Play! Es handelt sich dabei um eine kleine, einfach gehaltene Convention im ziemlich verwestlichten Seminyak. Dass sie klein und einfach gehalten ist, soll aber nicht über das Niveau hinwegtäuschen: Zwar waren wir insgesamt wohl nur etwa 50 Leute, die an den 5 Tagen den Weg zur Sunrise School gefunden haben, dafür fanden sich unter diesen gleich mehrere, die in ihren Disziplinen ohne weiteres zur Weltspitze gezählt werden dürfen. So genossen wir haufenweise Workshops unter direkter Betreuung der Meister ihres Faches, was die Woche äusserst lehrreich machte.

DSC_8598.jpg

Paola Berton aus Italien unterrichtet Hula Hoop.

Zu einer Convention gehören aber nicht nur Workshops, auch die Lokalität verdient ein Augenmerk: Die Sunrise School ist eine kleine Schule für westliche, offensichtlich nicht-versnobte Familien. Dass hier versucht wird, die lokale Kultur einzubinden, ist sehr lobenswert, denn leider steht dieser Punkt auf dieser Trauminsel oft nicht hoch auf der Prioritätenliste. Wir durften die Infrastruktur der Schule benutzen, weil gerade Ferien waren. Auch die Schulkantine war extra für uns in Betrieb und zauberte gar köstliche kühle Shakes und Juices, Cookies und Brownies, und auch ganze Mahlzeiten auf den Tisch.

DSC_8621.jpg

Ein Ökologierprojekt: Indonesien kennt Recycling kaum, weshalb Plastikflaschen meistens einfach verbrannt werden. Hier wird wenigstens ein kleines Bisschen entgegengewirkt.

Ein weiteres Merkmal von Conventions sind natürlich die Shows: An Tag 2 stand eine Cabaretshow an, bei der jeder mitmachen durfte, an Tag 5 dann die etwas hochstehendere Galashow. Im Vorfeld hiess es, dass für die Gala nur “professionelle Acts” mit Kostüm und Musik zugelassen seien, weshalb ich mich fürs Cabaret entschloss. Mein kurzer Jam mit dem Feuerlevi zu Parov Stelars Radio Mojo Gang verlief ganz gut, und nun habe ich definitiv Lust dazu, mal eine ordentliche Nummer dafür zu schreiben! Wer weiss, vielleicht findet die Premiere ja dann am Bali.Play 2016 statt… 🙂

DSC_8632.jpg

Wieviele verschiedene Tools kannst du erkennen und benennen?

Übernachtet haben wir übrigens mit einer grossen Gruppe in einer Mietvillasiedlung nicht weit entfernt. Wir waren so viele, dass wir fast die gesamte Siedlung besetzten – Man kann sich nun ja ausmalen, wie der Bereich um den zentralen Pool der Siedlung ausgesehen hat. Denn ja, auch Jongleure und Feuerkünstler haben ordentlich Durst…

Mehr Fotos von den ersten Tagen und Bali.Play gibts wie immer in der Bildergalerie!

Bali: Die ersten Eindrücke in Kerobokan

Auch mit Australien war irgendwann mal Schluss für mich, das nächste Ziel hiess Bali. Geplant waren vor allem zwei Aktivitäten: Flowen und Feuern, und ausserdem wollte ich endlich richtig tauchen gehen. Ich hatte die erste Hälfte des Tauchscheins ja bereits in der Tasche. So flog ich also erstmal von Cairns nach Darwin um dort festzustellen, dass unser Flugzeug erst mit deutlicher Verspätung in Darwin eintreffen würde. Ich machte mich also auf einen längeren Aufenthalt gefasst und nutzte die Gelegenheit, mit diversen Leuten zuhause via Skype zu telefonieren. Nach rund 4 Stunden in einem viel zu stark heruntergekühlten Warteraum ging es denn aber mit 2 Stunden Verspätung doch mal los.

Wir landeten um halb 4 morgens. Ich war bei der Einreise auf das Schlimmste gefasst; Ich hatte einige mehr oder weniger unagenehme Stories darüber gelesen und war mir insbesondere nicht so sicher, wie sauber meine neu erstandene Gürteltasche wohl ist. Ich hatte sie ein paar Tage zuvor bei einem Strassenmagier gegen einen Levitation Wand ertauscht, sie enthielt nicht unbeträchtliche Mengen an Tabakresten und anderem, unidentifizierbarem Material…

DSC_8581.jpg

Ein typischer Homestay im Süden Balis

Alle Befürchtungen erwiesen sich als übertrieben: Sowohl Zoll- als auch Einreisebehörden liessen mich ohne Weiteres gewähren, ich kam problemlos an. Nur dass die Tageszeit etwas ungünstig für weitere Aktivitäten war. Ich suchte mir also eine gutes Plätzchen um etwas Schlaf nachzuholen, fand auf der Abflugsebene eine lange Reihe von Couches mit diversen schlafenden Backpackern, suchte mir selbst eine freie Couch und schlief erstmal bis um 7 Uhr.

Nach einem ausgiebigen Frühstück zu West-Preisen – ich befand mich ja noch im Flughafen – machte ich mich ziemlich müde dazu auf, ein Taxi zu suchen, dass mich zu meinem nächsten Homestay bringen sollte. Dabei bin ich das erste Mal über die ungewohnten Zahlen in Indonesien gestolpert, wenn es um Geldbeträge geht. Als Tourist, der das erste Mal diese Insel bereist, hat man nämlich gleich mit zwei Schwierigkeiten zu kämpfen: Erstens sind, wie angesprochen, die Zahlen ungewöhnlich gross. Beim aktuellen Wechselkurs entsprechen 100’000 indonesische Rupien etwa 8 Franken. Zweitens hat man keine Ahnung vom hiesigen Preisniveau und kann deshalb aufs erste Mal kaum einschätzen, ob ein angebotener Preis für eine Taxifahrt nun günstig ist oder nicht. (Hinweis: Nein, ist er nicht, schliesslich muss man ja so viel Geld aus den Touristen rausquetschen wie nur irgendwie möglich…)

DSC_8587.jpg

Der Blick aufs Viertel

Ich bezahlte also viel zu viel für meine erste Taxifahrt und bestaunte den Verkehr. Der ist für den Europäer nämlich vor allem eines: Chaotisch. Der Balinese fährt Scooter, überholt links und rechts wie es ihm beliebt (er würde bestimmt auch drüber und drunter überholen, wenn die Gesetze der Physik dies ohne grösseren Aufwand zuliessen), hupt immer mal wieder freundlich, interessiert sich nicht für Strassenmarkierungen, aber immerhin hält er an roten Ampeln. Damit ist die Beschreibung des Verkehrs aber nicht zu Ende: Hat man sich mal an diese Tatsachen gewöhnt, zeigt sich der Verkehr als äusserst flüssig und harmonisch. Es gibt kaum Agressionen auf der Strasse, jeder fährt für sich und respektiert die anderen Verkehrsteilnehmer. Und hupen bedeutet hier “Achtung, ich bin auch noch da” und ist kein Agressionsventil.

DSC_8584.jpg

Ein Scooter kostet hier übrigens um die 1000 Franken und ist absolut notwendig zur schnellen Fortbewegung auf kurzen bis mittleren Strecken.

Nach den Preisen fällt einem auch bald auf, dass es hier gewissermassen zwei Welten gibt, die friedlich nebeneinander (oder ineinander) existieren: Einerseits gibt es da die Orte, die für westliche Touristen gemacht sind, dementsprechende Preise verlangen, aber auch die bekannten Standards bezüglich Umgang, Hygiene, Ausstattung, usw. erfüllen. Und andererseits gibt es gerade in den Bereichen Shopping und Essen die andere Welt für die Locals. Dort ist es dann kein Problem, für 10’000 Rupien (also 80 Rappen) eine volle Mahlzeit zu erhalten oder ein Shirt zu kaufen – Dafür weiss man dann auch nicht so genau, was dort dann drin ist. Die Wahl fällt nicht immer einfach, aber mit einem guten Mix der beiden Welten fährt man nicht schlecht und auch ohne viel Geld auszugeben.

Am Ziel: Cairns und der Daintree-Regenwald

Schliesslich erreichte ich nach gut 5 Wochen und etwa 6’000 Kilometern die letzte Destination meines Roadtrips: Cairns. In der Gegend hier wollte ich etwas mehr als eine Woche verbringen, um erst den Daintree National Park mit darin liegendem Regenwald zu besuchen und dann Tauchen zu erlernen.

DSC_8545.jpg

Daintree. In der Tat, es ist ein tropischer Regenwald, mit Lianen und allem was dazugehört.

Es war ein regenreicher und stürmischer Tag, als ich ankam: Zyklon Nathan sorgte schon seit Tagen für eine angespannte Stimmung, da er beim ersten Anlauf Richtung Küste doch noch einmal abdrehte. Das bedeutete aber auch, dass die nächsten paar Tage vermutlich ruhig und trocken sein sollten. Ideal für einige Wanderungen im Regenwald also.

DSC_8542.jpg

Snapper Island und das Delta des Daintree Rivers

Zum Daintree Rainforest gibt es auch wieder einige aussergewöhnliche Fakten zu berichten: So gilt er mit einem Alter von über 100 Millionen Jahren als der älteste Regenwald der Erde und wird von einigen prähistorischen Pflanzen bewohnt. Evolution zum Anfassen quasi!  Wobei: Anfassen ist keine besonders schlaue Idee, denn in diesem Regenwald sind nicht nur die Tiere, sondern auch die meisten Pflanzen mit Stacheln und Haken aller Grössen ausgerüstet. Es empfiehlt sich, lange und nicht zu dünne Kleidung zu tragen, wenn man eine Wanderung ohne Kratzer überstehen will.

DSC_8559.jpg

Auch die Küste hat es in sich: Dank Krokodilen und Quallen sollte man besser nicht am Strand schwimmen gehen.

Aber das ist nicht das einzige Unangenehme in diesem Wald: Offenbar sind Wanderungen zu dieser Jahreszeit nicht besonders beliebt, sodass alle Wege voll mit Spinnennetzen sind. Nach ein paar hundert abgeräumten Netzen entwickelt man dann aber doch eine gewisse Toleranz, sind doch die meisten Netze von kleinen, ungefährlichen Spinnen gewoben. Hab ich gesagt “die meisten”? Ja, ich meinte es so:

DSC_8565.jpg

Diese Nephila Pilipes, auch bekannt als Giant Golden Orb Weaver, die sich gerade gehäutet hat, hat die überschaubare Körperlänge von ca. 6cm und Beinlänge von ca. 12cm und ist damit eine der grössten Spinnen der Welt. Und sie ist giftig, aber nicht tödlich. Und ich bin in ihr Netz reingelatscht, ohne dass etwas passiert ist…

Daneben gabs noch diverse Vögel, unter anderem ein seltenes Cassowary, Kookabooras und Kingfisher… Und Käfer.

DSC_8575.jpg

Keine Ahnung, wie dieser nette kleine Käfer heisst, aber sein Körper war so gross wie mein Daumen und die Antennen zwischen 10 und 15 cm lang. Niedlich, nicht wahr?

Gefunden habe ich diese Tiere übrigens auf der Wanderung zum Mount Sorrow Outlook. Dieser Aussichtspunkt liegt auf über 600 Metern Höhe, aber weniger als 4 Kilometer von der Strasse entfernt, was zu einer entsprechend steilen und anstrengenden Wanderung führt. Und ganz ungefährlich ist sie auch nicht, es sind offenbar schon mehrere Male Personen spurlos verschwunden. Aber vielleicht hängt das ja auch damit zusammen, dass es die offizielle Empfehlung ist, seine Fäkalien mindestens 100 Meter vom Wanderweg weit vergraben soll. Bei einem dichten Urwald in steilem Geläden ist es natürlich eine prächtige Idee, sich so weit vom markierten Weg zu entfernen, denn zurück findet man sicherlich nicht mehr…

DSC_8573.jpg

Ausblick vom Mount Sorrow Outlook, mit einem der zahllosen Schmetterlinge des Daintree Nationalparks.

Nach den zwei Tagen im Regenwald fuhr ich zurück nach Cairns. Die nächsten 5 Tage wollte ich einen Tauchkurs absolvieren: Die ersten 2 Tage theoretische Grundlagen und erste Praxis um präparierten Swimming Pool, gefolgt von 3 Tagen draussen im Great Barrier Reef. Die 2 Tage in der Tauchschule absolvierte ich mühelos, aber schon bald war klar: Zyklon Nathan stand wieder vor der Tür und verunmöglichte es, auf den Ozean raus zu fahren. Immerhin ist die bisherige Schulung nicht vergebens: Ich kann die Schulungstauchgänge im Meer draussen dann auf Bali absolvieren, ohne nochmal durch das ganze Programm gehen zu müssen.

Von Nathan selbst hat man dann in Cairns allerdings kaum etwas gespürt: Er traf deutlich weiter nördlich auf dem Kontinent ein, wodurch die Absage der Tour etwas seltsam erscheint, herrschte hier in Cairns doch durchgehend schönes Wetter. Auf den Inseln draussen soll es aber ordentlich getobt haben. Wie auch immer, ich genoss die freien Tage mit erneutem Faulenzen, etwas Baden im Pool, Bücher lesen, und nicht zuletzt: Bloggen.

Mehr Bilder aus dem Daintree Nationalpark gibts wie immer in der Galerie, dieses Mal deren 30.

Feucht, Nass, und dann auch noch Regen: Whitsunday Islands

Nach dem Sandabenteuer auf Fraser Island ging es schlagartig weiter, denn nur 2 Tage später war ich für eine Segeltour auf den Whitsunday Islands gebucht. Die sind aber rund 800km oder 9-10 Autostunden nördlich gelegen, was für einen weiteren Roadtrip-Tag sorgen sollte. Glücklicherweise fand ich auf der Fraser-Tour 2 Belgier, die ebenfalls unterwegs zu den Whitsundays waren und es bevorzugten, bei mir im Auto mitzufahren statt den Greyhound zu benutzen. Mit 3 Fahrern, die jeweils gut 3 Stunden hinterm Steuer sassen, liess sich die Strecke zügig und ohne gefährliche Müdigkeit befahren, sodass wir Airlie Beach, den Ausgangspunkt für Whitsunday-Reisen, bereits gegen 18 Uhr erreichten.

DSC_8381.jpg

Der Hafen von Airlie Beach

Tags darauf ging es nach dem Mittagessen los aufs Segelboot: Die Silent Night sollte es sein, ein bereits etwas älteres Rennsegelboot, aber immer noch gut im Schuss, ausgestattet mit 12 Schlafplätzen. Bei leicht bewölktem Wetter, aber ordentlichem Wind, segelten wir also los. Unser Captain hatte seinen Spass daran, immer mal wieder eine der grossen Wellen so anzufahren, dass wir Passagiere, die auf der Luv-Kante des Bootes sassen, ordentlich geduscht wurden. Die Abkühlung davon war willkommen, die Unausweichlichkeit eher weniger. Aber schliesslich kamen wir an und gingen ein erstes Mal Schnorcheln, und darauf wollte ich nicht verzichten: Schliesslich sind die Whitsundays ein küstennaher Ausläufer des berühmten Great Barrier Reefs und mit Korallen geschmückt. Und um es kurz zu machen: Yup, in Korallenriffs zu schnorcheln ist so cool wie es sich anhört und schöner, als man es aus Filmen kennt. Die Farben und Formen der Korallen sind unvergleichlich schön, die Fische von fabelhafter Vielfalt, ich hätte Stunden dort unten verbringen können. Leider mussten wir dann aber doch irgendwann weiter zu unserem Ankerplatz zwischen Hook und Whitsunday Island.

DSC_8390.jpg

Sonnenuntergang vor Hook Island

Tags darauf segelten wir dann um Whitsunday Island herum, und dieses Mal durften wir auch einige Manöver zum Drehen des Bootes durchführen. Da ich meistens weit vorne sass, durfte ich im besten Jump-and-Run-Stil auf Kommando zur Lee-Seite des Bootes rüberklettern. Unser Ziel war das Postkartenmotiv der Whitsundays schlechthin: Whitehaven Beach, ein scheinbar endloser, weisser Sandstrand mit türkis-blauem Wasser. Leider war das Wetter an diesem Tag durchzogen, mit vielen Windböen und ständig aufkommendem Regen, wodurch meine Fotos nicht besonders spektakulär ausfielen – Aber sehenswert sind sie allemal. Den Spass liessen wir uns auch nicht vermiesen, gab es doch auch so einiges zu sehen: Riesige Schildkröten im tiefen Wasser, Stechrochen im flachen Wasser, dazu wieder Unmengen an Vögeln und Echsen im Regenwald. Meinem Handy bekam die ungewöhnliche Mischung von Regenwasser, Sand und Meerwasser nicht besonders, so dass es trotz einer wasserdichten Tüte über mehrere Stunden wahlweise die Sim-Karte oder die SD-Karte nicht akzeptieren wollte…

DSC_8417.jpg

Whitehaven Beach, bewölkt

Danach segelten wir weiter, wieder mit einigen Manövern, um erneut Schnorcheln zu gehen. Unser Tourguide erwähnte einen hier wohnenden Napoleon-Lippfisch, den wir vielleicht sehen würden. In freudiger Erwartung stürzten wir uns also in die Stinger Suits, die uns vor Quallen schützen sollen, zogen die unbequemen Taucherbrillen an und sprangen ins Wasser. Wir mussten nicht lange suchen: Der riesige Fisch schwamm nach dem Untertauchen direkt vor meiner Nase, begleitet von mannigfaltigen Fischschwärmen in allen Farben. Was für ein Anblick!

DSC_8482.jpg

Die Silent Night, unser Segelboot

Auch hier hätte ich noch lange bleiben können, doch erneut mussten wir bald weiter fahren um unseren nächtlichen Ankerplatz aufzusuchen. Mittlerweile hatte der Regen aufgehört, sodass wir einige Kleider trocknen konnten – Aber nicht für lange, denn bald nach Einbruch der Dunkelheit sollte es schon wieder regnen. Fix spannten wir eine Plane über den Ausleger, damit wir uns nicht alle in die doch etwas enge Kabine quetschen mussten.

DSC_8510.jpg

Hayman Island, ein 6-Sterne-Resort. Für ein Mittagessen sollte man mit 2000 CHF pro Person rechnen.

Am letzten Morgen schien dann endlich die Sonne! Nachdem die Sicht im Korallenriff bei den ersten beiden Schnorchelplätzen aufgrund des Regens nicht besonders gut war, hatten wir dieses Mal wenigstens die erhellenden Sonnenstrahlen, die für eine satte Farbenpracht sorgten und so auch den dritten Tauchgang zu einem Spektakel machten.

DSC_8442.jpg

Fussspuren auf Whitehaven Beach

Auf dem Weg zurück nach Airlie Beach zeigte unser Captain dann noch, wozu dieses Boot wirklich fähig war, und führte es oft so hart am Wind, dass das Deck der Lee-Seite unter Wasser war. Ein Blick auf die andere Seite des Bootes fühlte sich denn auch so an, als stünden wir praktisch senkrecht im Wasser, aber der tatsächlich Winkel dürfte um die 45 Grad betragen haben.

Ach, und Fotos gibts natürlich auch dieses Mal, aber “nur” deren 42.

Es ist soweit: Halbzeit

Halbzeit. Der Zeitpunkt meiner Rückkehr ist näher als der Zeitpunkt meines Abflugs. Und ich weiss gar nicht, warum ich diesen Tag ausgerechnet habe und ihn euch mitteile. Vielleicht ist es eine Erinnerung an mich selbst, dass ich mein Leben weniger nach Zahlen leben sollte. Ja, das klingt gut, oder?

Sand, Sand, und noch mehr Sand: Fraser Island

Nach dem Besuch des Crystal Castles fuhr ich nach Brisbane zu einem befreundeten Feuerspieler, den ich auf den Festivals in Neuseeland kennengelernt hatte. Es blieben mir nun noch etwa 2 Wochen, bis ich von Cairns nach Bali fliegen würde. Ein Blick auf den Kalender sowie ein erleichterndes Überprüfen des Kontostandes später beschloss ich, für die letzten grossen Sehenswürdigkeiten, die allesamt etwas schwieriger alleine zu erkunden sind, Abenteuertouren zu buchen. Erstes Ziel: Fraser Island.

Diese Insel ist in vielerlei Hinsicht herausragend:

  • Erstens ist sie mit über 1800 Quadratkilometern die wahrscheinlich grösste Sandinsel der Welt. Rund 125 km lang, etwa 15-20 km breit. Und alles ist aus Sand.
  • Zweitens beherbergt sie gut Unmengen an Tieren: Neben Schlangen, Spinnen und Waranen (ja, da hab ich nun einen gesehen) leben auf Fraser Island etwa 150 Dingos, die verwilderten, wolfsähnlichen Haushunde. Sie sind äusserst agressiv und nicht ungefährlich, und mögen vor allem eines: Essen klauen.
  • Drittens ist sie fast vollständig mit Regenwald bewachsen, der auf Sand doch etwas anderes funktioniert als andere Regenwälder. Nur in Symbiose mit einem speziellen Pilz schaffen es die Bäume, wirklich Wurzeln zu schlagen.
  • Viertens finden sich rund 200 Süsswasserseen auf ihr, die meisten davon unglaublich rein und klar, denn sie sind vor allem von hochreinem Quarzsand umgeben. Rund 40 dieser Seen bestehen aus schwebendem Grundwasser, ohne Zu- und Abfluss – Von dieser Art See sind weltweit rund 80 Stück bekannt. (Stichwort: Perched Lake.)
  • Fünftens sind dann natürlich auch die Bachbette aus Sand. Ein seltener Anblick.
  • Sechstens braucht es aufgrund des Sandes sowohl ein geeignetes Fahrzeug als auch einen wirklich guten Fahrer, um auf der Insel vorwärts zu kommen. Vierradantrieb ist Pflicht, besser ein richtiger Jeep oder im Idealfall eine Spezialanfertigung. Habt ihr gewusst, dass so ein Sandstrand bei Ebbe eine tolle Strasse abgibt, auf der man problemlos 80 km/h fahren kann?
  • Siebtens verändert sich die Insel aufgrund ihrer Sandnatur wahnsinning schnell: Die riesigen Wanderdünen bewegen sich mit etwa einem Meter pro Jahr vorwärts und zerstören alles, was sich in den Weg stellt. Unter anderem auch die SS Mohena, die dort gestrandet ist und nun vor sich hin rostet bzw. vom Sand verschluckt wird.

In 2 Tagen sind so 79 Fotos entstanden, die die Natur von ihrer gewaltigsten, aber auch schönsten Seite zeigen. Dieses Mal inklusive Luftfotos aus einer Cessna!

Ein Loch im Zelt

Der letzte Eintrag berichtete kurz von Byron Bay und dem Crystal Castle. Aber wie kam ich eigentlich dort hin? Wir erinnern uns: Ich schrieb nicht viel darüber, aber ich war in und um Sydney und landete schliesslich in Newcastle, etwa 2 Stunden nördlich von Sydney.

Von dort aus fuhr ich weiter Richtung Brisbane. Ich teilte die Fahrt von etwa 9 Stunden in 3 Etappen auf, um nach einem eher enttäuschenden Zwischenhalt bei Murray’s Craft Brewing Co. [Review bei Ratebeer] einmal mehr die Nationalparks aufzusuchen. Die Wanderungen blieben für ein Mal aus, ich genoss stattdessen die Ruhe, meditierte ausgiebig und schrieb Postkarten (nicht zu verwechseln mit Ansichtskarten, das werden die zahlreichen Empfänger auch noch feststellen müssen). Aus diesem Grund gibt es von diesen Tagen auch wenig Spektakuläres zu berichten. Doch halt, wenig ist nicht nichts!

Im Yuraygir hat sich die Fauna nämlich sowohl von ihrer guten wie auch von ihrer schlechten Seite gezeigt. Im von mir auserwählten Campingplatz wimmelte es nämlich von Kängurus. Am Abend vergnügten sich da einfach mal mindestens 10 von ihnen in unmittelbarer Nähe meines Zelts. Angeblich tummeln sich dort auch Warane und Emus, aber deren Anblick blieb mir (vorerst!) leider verwehrt. Dafür durfte ich des Nachts feststellen, dass sich auch anderes Getier dort herumtreibt.

Ein leises, aber kontinuierliches Rascheln weckte mich. Ich beschloss, dass da wohl ausserhalb des Zeltes irgend ein Tier entweder die Bananenschale oder die leere Müsliriegel-Verpackung, die in meinem Zelt lagen, riechen muss und blieb liegen. Nach einer Weile konnte ich nicht mehr verneinen, dass das Geräusch doch von näher kam, von innerhalb des Zeltes. Für 2 Sekunden schob ich das Rascheln auf Wind und die Riegelpackung oder vielleicht eine umherrollende Wasserflasche, bis mir auffiel, dass dieser Gedanke völlig absurd war, denn es war windstill. Also: Licht an.

Da war ein Loch im Netz des Innenzelts, in etwa einem halben Meter Höhe. Und ausserdem sass da eine Ratte in der Ecke und schaute mich mit tiefschwarzen Augen an. Das gierige Biest hatte wohl meine Essensreste gerochen. Jedenfalls hat es sich tatsächlich entlang des halboffenen Reisverschlusses des Aussenzelts hochgehangelt, von wo aus es ein Loch in das belüftende Netz des Innenzelts nagen konnte. Aus dem Innenzelt heraus gab es dann aber keine rettende Kletterhilfe, wodurch die Ratte gefangen war. Seufzend und mein nun kaputtes Zelt betrauernd half ich der Ratte mit meinen Flipflops durch die mittlerweile geöffnete Zelttür und verbrachte die letzten Stunden der Nacht mehr wach als schlafend, denn mit Loch im Zelt war das Wohlbefinden beträchtlich gestört.

Und Fotos? Fotos gabs deren 28 nach Newcastle bis und mit Crystal Castle.

A Spontaneous Invitation

As I started my drive from Byron Bay to Brisbane I noticed a hitchhiker. She looked colourful and happy. I stopped and asked where she was headed. After she explained the local geography to me we agreed that Mullumbimby would not be much of a detour for me, and somehow that name rang a bell within me anyway; I invited her to come with me.

On our way we told each other of our homes and what keeps us going. She concluded that I would absolutely have to visit the Crystal Castle, just 10 minutes from Mullumbimby by car. It wasn’t something I had planned for, but still: I followed her invitation to explore. And what I have found! It starts with this quote from Oriah Mountain Dreamer’s The Invitation.


 

It doesn’t interest me what you do for a living. I want to know what you ache for and if you dare to dream of meeting your heart’s longing.

It doesn’t interest me how old you are. I want to know if you will risk looking like a fool for love, for your dream, for the adventure of being alive.

It doesn’t interest me what planets are squaring your moon. I want to know if you have touched the center of your own sorrow, if you have been opened by life’s betrayals or have become shrivelled and closed from fear of further pain.

I want to know if you can sit with pain, mine or your own, without moving to hide it, or fade it, or fix it.

I want to know if you can be with joy, mine or your own; if you can dance with the wildness and let the ecstasy fill you to the tips of your fingers and toes without cautioning us to be careful, be realistic, remember the limitations of being human.

It does’nt interest me if the story you are telling me is true. I want to know if you can disappoint another to be true to yourself. If you can bear the accusation of betrayal and not betray your own soul. If you can be faithless and therefore trustworthy.

I want to know if you can see beauty even when it is not pretty every day. And if you can source your own life from its presence.

I want to know if you can live with failure, yours and mine, and still stand at the edge of the lake and shout to the silver of the full moon, ‘Yes.’

It doesn’t interest me to know where you live or how much money you have. I want to know if you can get up after the night of grief and despair, weary and bruised to the bone and what needs to be done to feed the children.

It doesn’t interest me who you know or how you came to be here. I want to know if you will stand in the center of the fire with me and not shrink back.

It doesn’t interest me where or what or with whom you have studies. I want to know what sustains you from the inside when all else falls away.

I want to know if you can be alone with yourself and if you truly like the company you keep in the empty moments.

Bilder statt Worte [Updated]

  • Lake Hume, Mount Granya, Holbrook: 14 Fotos, mit einem See voller Bäume und vielen Spinnen. Und einem gestrandeten U-Boot.
  • Blue Mountains, mit Three Sisters und Wentworth Falls: 48 Fotos, in einem Canyon mit bläulichem schimmerndem Wald, vielen Felsen und Wasserfällen.
  • Sydney: 27 Fotos, mit dem Coogee Beach, dem Museum of Contemporary Art, dem Opera House und der Cricketweltmeisterschaft. Sic!
  • Newcastle: [20 Fotos 33 Fotos], mit Stephan, vielen Strandfotos und etwas Getier, das dort kreucht und fleucht.

Update: 13 weitere Bilder von einem Sonnenaufgang in Newcastle.

Tag 54: Ein Monolog

Es ist Donnerstag Morgen, ich befinde mich in einem hell ausgestatteten Zimmer in Coogee, Sydney. 53 Nächte sind vergangen, seit ich loszog, um die Welt (oder mindenstens einige weit entfernte, mir unbekannte Teile davon)  zu sehen. Deren 88 werden noch folgen. Eigentlich kein schlechter Zeitpunkt für eine Bestandesaufnahme.

Ich bin müde.

In Neuseeland habe ich einen gesunden Mix zwischen Umherreisen und stationären Festivals erwischt. Der rasante Roadtrip voller herausragender Landschaften in der Einsamkeit hatte mich ausgelaugt, ich sehnte mich nach etwas Ruhe und… Menschen. Ja, auch ich, der Einzelgänger, der gerne und oft alleine Projekte und Reisen plant und durchführt, sehnte mich nach Mitstreitern. Die mir nahe stehen, die fragen, wie es mir geht und das nicht nur als Höflichkeitsfloskel verstehen. Mit denen man Erlebnisse teilen kann.

Ich fand sie. Auf den Festivals in Neuseeland, über 2 Wochen mit den selben tollen Menschen um mich herum. Und ich war glücklich, hatte eine wundervolle Zeit, spürte viel Kraft in mir, sprühte vor Kreativität, riss Projekte an. Ich genoss die Zeit sehr, war mir bewusst, wie gut es mir ging. Und dass das nicht immer so sein würde. Nach den Festivals verliess ich Neuseeland, geräuschlos weinend.

Es folgte Australien. Auch ein schönes Land, ich durfte auch hier unzählige Naturwunder bestaunen, manch eines rührte mich gar zu Tränen. Auch hier machte ich faszinierende Bekanntschaften. Aber aufgrund meiner Reisepläne und des steten Weiterfahrens sollten sie für den Moment alle nur kurz ausgelebt werden können.

Ich eile von Ort zu Ort, von Stadt zum Nationalpark und weiter in die nächste Stadt. Lerne Menschen flüchtig kennen und weiss, dass ich sie nie wieder sehen werde. Trinke einen Kaffee hier, esse einen Pie dort, genehmige mir ein lokales Craftbeer, oft mit dem Smartphone in der Hand. Es ist das kleine Fenster zur Welt der Menschen, nach denen ich mich sehne. Familie, Freunde, Feuerkünstler, Trinkkumpanen: Gute Gesellschaft, die mir nahe steht. Ich wurde bereits kritisiert, ich sei zu oft auf Facebook und schreibe zu viele Blogposts, so könne ich den Urlaub doch gar nicht geniessen! Dabei tue ich das doch nur, weil ich euch liebe.

Bald ist Mittag. Ich habe die Stadt noch fast gar nicht erkundet, das sollte ich wohl mal tun. Auch wenn ich müde bin. Etwas angewidert betrachte ich den Kalender: Die nächsten 2 Wochen werden ähnlich wie die letzten. Immerhin treffe ich unterwegs Menschen, die ich schon länger kenne, das wird mich aufheitern.  Und dann kommen ja wieder Zeiten mit weniger Reisehast: Tauchen in Cairns, Jonglierfestivals auf Bali, Meditationskurs in Sydney. Keine schlechten Aussichten.

Weiterhin zerbreche ich mir den Kopf darüber, wo und wie ich den letzten Monat verbringen soll. Ich beschliesse, dass der aktuelle Gemütszustand nicht der richtige ist, um weiter darüber nachzudenken, packe meine Jongliersachen in den Rucksack und fahre los, Sydney doch noch zu erkunden.