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Der lange Weg nach Hause: Singapur

 

Wo war ich stehen geblieben? Achja, Kopi Luwak in Bali. Die etwas längere Pause hier auf dem Blog hat nicht (nur) damit zu tun, dass ich etwas faul geworden bin, sondern auch mit den Aktivitäten, die danach folgten. Ich verbrachte einige Tage (leider vor allem erkältet im Bett liegend) auf dem Pirates Retreat und besuchte anschliessend (wieder bei besserer Gesundheit) einen Meditationskurs in Sydney. In den letzten Tagen auf der Südhalbkugel repräsentierte ich schliesslich meine Alma Mater auf Austauschmessen für Studierende in zwei australischen Top-Unis.

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Zwei Touristen in einem Tunnel, ein Einheimischer sitzt am Rand – Ist er obdachlos oder sitzt er einfach so da? Man weiss es nicht. Singapur, übrigens.

Und dann ging es auch schon weiter: Mein Weg zurück nach Hause dauert insgesamt 5 Wochen und bringt mich in 4 weitere Länder. Die erste Destination war Singapur, ein kurzer Aufenthalt von 4 Nächten bei Freunden. Ums gleich vorwegzunehmen: Die Vorurteile über Singapur stimmen grössenteils. Die Stadt ist sauber und effizient aufgebaut, voller moderner Wolkenkratzer und reichen Ausländern. Die Stadt wird vom weltweiten Business und Tourismus getrieben, das ist unübersehbar. Und dass es oft, heftig, aber meistens nur kurz regnet, das fällt einem auch schnell auf.

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Wenn’s kommt, kommt’s dick!

Berühmt ist Singapur auch für die Skyline um Marina Bay. Ich bin oft zwiegespalten über Skylines, denn oft wirken sie zufällig zusammengewürfelt. Aber dadurch, dass in Singapur ein Stadtarchitekt mit Weitblick am Werk war und diese noch junge Tradition auch von seinen Nachfolgern beherzigt wird, wirken die vielen Wolkenkratzer harmonisch zusammen und sorgen für ein Gefühl von Welt, wie man es selten sieht. Und noch besser ist dieser Eindruck natürlich, wenn man das Bild in der Nacht irgendwo von weit oben bestaunen darf. Leider hatte ich in diesen Momenten meine Kamera nicht dabei, wodurch ich euch nur den Blick von unten zeigen kann.

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Marina Bay bei Nacht.

Singapur hat aber nicht nur Business, Wolkenkratzer und Regen zu bieten, sondern auch Parks und Gärten. Deren zwei habe ich fotografisch festgehalten, nämlich die Botanic Gardens und die Gardens by the Bay. Erstere sind dabei die älteren und mit über 150 Jahren auf dem Buckel schon beinahe prähistorisch für Singapur. Neben einem grossen Orchideenpark finden sich auch ein Abschnitt Regenwald und ein Ingwergarten auf dem grosszügig gestalteten Gelände. Ein beruhigendes Refugium für gehetzte Städter. Für mich, den Bierliebhaber, gabs sogar eine Minibrauerei mit Craft Beer!

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Und nachts ist vieles schön beleuchtet!

Die Gardens at the Bay bilden dann den modernen Konstrast zu den Botanic Gardens: Direkt hinter dem berühmten Marina Bay Sands Hotel gelegen, bilden sie eine gelungene Verbindung von moderner Architektur mit Gartenbau. Von Palmen inspirierte Gerüstbauten schiessen in die Höhe und tragen eine grüne Rinde aus Pflanzen um sich, es gibt Tunnels und Brücken und Seen und Teiche. Ausserdem gibt es jede Menge über die Pflanzen- und tierwelt zu lernen, denn der ganze Park ist ausgestattet mit Infotafeln und Hinweisen auf aussergewöhnliche Phänomene der Botanik. Leider machte mir hier der Regen einen dicken Strich durch die Rechnung, so dass ich einiges auslassen musste. Aber wer weiss, vielleicht gibt es ja ein nächstes Mal…

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Gardens by the Bay mit Marina Bay Sands im Hintergrund.

Wie immer finden sich mehr Bilder in der Galerie, dieses Mal mit einer ähnlichen Gliederung wie hier: Singapur bei Tag, Singapur bei Nacht, Botanic Gardens, Gardens by the Bay.

Kopi Luwak, der Katzenkaffee

Auf dem Weg zurück von Tulamben fragte mich mein Fahrer, ob ich Kaffee möge. Ich bejahte, und so fragte er mich, ob wir eine Kaffeepause machen wollen. Er habe da einen Freund…

Wir fuhren als zu einer Plantage der besonderen Art. Nicht weil dort Arabica-Bohnen und diverse Teesorten angepflanzt wurden, sondern weil die Plantage auch einige Tiere zum Eigen nennt, die für einen ganz besonderen Kaffee berühmt sind: Fleckenmusangs, zu Englisch Luwaks.

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Das Leben dieser Schleichkatze ist nur wegen der Exkremente wertvoll – Sonst könnte sie wild leben. Kein schöner Anblick, denn die Käfige sind nicht gross.

Luwaks essen Kaffeefrüchte, verwerten das Fruchtfleisch und scheiden die Kaffeebohne unversehrt, aber darmbiologisch behandelt und dadurch verfeinert, wieder aus. Die Bohnen werden dann gereinigt und geröstet, verpackt und verkauft. Und so halten diverse Balinesen diese Schleichkatzen unter recht widrigen Umständen und verkaufen Kopi Luwak, wie sich der fertig gebrühte Kaffee nennt.

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Die Ausscheidungen, die gereinigt und dann geröstet werden

Ich war hin- und hergerissen, ob diese Praxis unterstützen sollte oder nicht. Denn andererseits war es eine ziemlich einmalige Gelegenheit, zu einem günstigen Preis diesen einzigartigen Kaffee zu probieren… Schliesslich siegte die Neugierde und ich bestellte eine Tasse für 50’000 Rupien, also etwa 4 Franken. Tatsächlich war es zweifellos die beste Tasse Kaffee, die ich je hatte. Geschmacklich voll und rund, wenig Säure, eine angenehme leichte Bitterkeit. Wie Kaffee eben sein sollte, aber nie ist.

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Ich gestehe, dass ich diese Praxis mit dem Kauf einer Tasse unterstützt habe und bin nicht stolz darauf. Aber verdammt, gut war der Kaffee schon…

Achja, und ein paar mehr Fotos davon gibts natürlich auch.

Tauchen in Bali: Sanur, Padang Bai und Tulamben

Direkt nach Bali.Play ging es für mich weiter, um endlich endlich endlich den Tauchschein fertig zu machen. Eine Tauchschule in Sanur, etwas weiter westlich gelegen, bot an, meine Ausbildung ab dem damaligen Stand weiterzuführen und direkt danach noch ein paar Tage Safari anzuhängen.

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Sonntag Morgen in Sanur am Strand

In Sanur hatten also meine ersten 2 Tauchgänge. Hier hatte ich auch noch meine Kamera dabei, weshalb alle Fotos von diesem Teil von hier stammen, und viele sind es nicht. Wir fuhren mit dem Boot etwas hinaus, führten alle Checks durch und sprangen ins Wasser. Wobei, springen ist nett ausgedrückt: Ich wurde mehr gestossen, rückwärts ins Wasser, den mit Mich-Rückwärts-Fallen-Lassen hab ichs nicht so. Nach einigen Übungen, die noch zur Ausbildung gehörten, ging es dann los zum spassigen Teil: Fische gucken! Und Korallen. Und Krebse. Und Moränen. Und… Ihr könnts euch ja vorstellen. Ja, tauchen ist mindestens so schön, wie man das aus Dokus im Fernsehen oder im IMAX-Kino kennt.

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3, 2, 1, los gehts! Und ja, der Bart ist mittlerweile etwas mächtiger geworden…

Höhepunkte an diesem Tag waren für mich die Clownfische in den Seeanemonen (Ja, ich habe Nemo gefunden!), Feuerfische, Flundern und Rochen, sowie Trompetenfische. Einfach mal bei der Wikipedia nachschauen, da finden sich zu allen Viechern haufenweise Bilder.

Am nächsten Tag ging es dann nach Padang Bai für die zwei letzten Tauchgänge der Ausbildung. Vieles hatten wir schon am Tag zuvor gesehen, aber hier gab es auch die berüchtigten Mantis Shrimps, zu denen The Oatmeal einen besonders schönen Comic gezeichnet hat. Daneben gabs mit Aalen, Kaiserfischen, Skorpionfischen, Kofferfischen und einem Kuhfisch aber auch sonst viel zu sehen. Und ja, die meisten dieser Fische sehen durchaus so aus, wie sie heissen…

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Materialcheck mit meiner Tauchlehrerin, Julie

Nach der Ausbildung standen nur noch Fun Dives an. Diese fanden dann im Norden von Bali in Tulamben statt. Als Attraktion gibt es dort nämlich ein Schiffswrack des amerikanischen Transportschiffs USAT Liberty, das im zweiten Weltkrieg von den Japanern erfolgreich torpetiert wurde. Schiffswracks bieten eine hervorragende Lebensgrundlage für Korallen und viele weitere Meeresbewohner, weshalb sie zu den beliebtesten Tauchzielen gehören.

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Ein Vulkan bei Sanur. Nein, ich kenne seinen Namen nicht und weiss auch sonst nix über ihn.

Um die Liberty hatte ich insgesamt 5 Tauchgänge, davon auch einen bei Sonnenuntergang und einen bei Sonnenaufgang. Zwar sieht man dann das übliche Spektakel am Horizont nicht, denn man gerade taucht, dafür zeigen sich zu diesen Tageszeiten auch ganz andere Fische als tagsüber. Ausserdem wirkt so ein Schiffswrack im Dunkeln plötzlich furchteinflössender als ein jahrmarktsübliche Geisterbahn, da sie ja doch von echtem Getier belebt wird…

Zur erwähnenswerten Meeresflora- und fauna gehören hier die beiden Schildkröten, die sich das Wrack zum Zuhause eingerichtet haben, sowie Stechrochen, Nacktkiemer, Barracudas, Sepien, Seegurken, Riesenmuscheln, Kardinalbarsche, Stachelmakrelen, Seenadeln sowie ein etwa 30-köpfiger Schwarm der eh schon riesigen Grünen Büffelkopf-Papageienfische. Und damit hat man noch lange nicht alles gesehen…

Bali: Die ersten Eindrücke in Kerobokan

Auch mit Australien war irgendwann mal Schluss für mich, das nächste Ziel hiess Bali. Geplant waren vor allem zwei Aktivitäten: Flowen und Feuern, und ausserdem wollte ich endlich richtig tauchen gehen. Ich hatte die erste Hälfte des Tauchscheins ja bereits in der Tasche. So flog ich also erstmal von Cairns nach Darwin um dort festzustellen, dass unser Flugzeug erst mit deutlicher Verspätung in Darwin eintreffen würde. Ich machte mich also auf einen längeren Aufenthalt gefasst und nutzte die Gelegenheit, mit diversen Leuten zuhause via Skype zu telefonieren. Nach rund 4 Stunden in einem viel zu stark heruntergekühlten Warteraum ging es denn aber mit 2 Stunden Verspätung doch mal los.

Wir landeten um halb 4 morgens. Ich war bei der Einreise auf das Schlimmste gefasst; Ich hatte einige mehr oder weniger unagenehme Stories darüber gelesen und war mir insbesondere nicht so sicher, wie sauber meine neu erstandene Gürteltasche wohl ist. Ich hatte sie ein paar Tage zuvor bei einem Strassenmagier gegen einen Levitation Wand ertauscht, sie enthielt nicht unbeträchtliche Mengen an Tabakresten und anderem, unidentifizierbarem Material…

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Ein typischer Homestay im Süden Balis

Alle Befürchtungen erwiesen sich als übertrieben: Sowohl Zoll- als auch Einreisebehörden liessen mich ohne Weiteres gewähren, ich kam problemlos an. Nur dass die Tageszeit etwas ungünstig für weitere Aktivitäten war. Ich suchte mir also eine gutes Plätzchen um etwas Schlaf nachzuholen, fand auf der Abflugsebene eine lange Reihe von Couches mit diversen schlafenden Backpackern, suchte mir selbst eine freie Couch und schlief erstmal bis um 7 Uhr.

Nach einem ausgiebigen Frühstück zu West-Preisen – ich befand mich ja noch im Flughafen – machte ich mich ziemlich müde dazu auf, ein Taxi zu suchen, dass mich zu meinem nächsten Homestay bringen sollte. Dabei bin ich das erste Mal über die ungewohnten Zahlen in Indonesien gestolpert, wenn es um Geldbeträge geht. Als Tourist, der das erste Mal diese Insel bereist, hat man nämlich gleich mit zwei Schwierigkeiten zu kämpfen: Erstens sind, wie angesprochen, die Zahlen ungewöhnlich gross. Beim aktuellen Wechselkurs entsprechen 100’000 indonesische Rupien etwa 8 Franken. Zweitens hat man keine Ahnung vom hiesigen Preisniveau und kann deshalb aufs erste Mal kaum einschätzen, ob ein angebotener Preis für eine Taxifahrt nun günstig ist oder nicht. (Hinweis: Nein, ist er nicht, schliesslich muss man ja so viel Geld aus den Touristen rausquetschen wie nur irgendwie möglich…)

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Der Blick aufs Viertel

Ich bezahlte also viel zu viel für meine erste Taxifahrt und bestaunte den Verkehr. Der ist für den Europäer nämlich vor allem eines: Chaotisch. Der Balinese fährt Scooter, überholt links und rechts wie es ihm beliebt (er würde bestimmt auch drüber und drunter überholen, wenn die Gesetze der Physik dies ohne grösseren Aufwand zuliessen), hupt immer mal wieder freundlich, interessiert sich nicht für Strassenmarkierungen, aber immerhin hält er an roten Ampeln. Damit ist die Beschreibung des Verkehrs aber nicht zu Ende: Hat man sich mal an diese Tatsachen gewöhnt, zeigt sich der Verkehr als äusserst flüssig und harmonisch. Es gibt kaum Agressionen auf der Strasse, jeder fährt für sich und respektiert die anderen Verkehrsteilnehmer. Und hupen bedeutet hier “Achtung, ich bin auch noch da” und ist kein Agressionsventil.

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Ein Scooter kostet hier übrigens um die 1000 Franken und ist absolut notwendig zur schnellen Fortbewegung auf kurzen bis mittleren Strecken.

Nach den Preisen fällt einem auch bald auf, dass es hier gewissermassen zwei Welten gibt, die friedlich nebeneinander (oder ineinander) existieren: Einerseits gibt es da die Orte, die für westliche Touristen gemacht sind, dementsprechende Preise verlangen, aber auch die bekannten Standards bezüglich Umgang, Hygiene, Ausstattung, usw. erfüllen. Und andererseits gibt es gerade in den Bereichen Shopping und Essen die andere Welt für die Locals. Dort ist es dann kein Problem, für 10’000 Rupien (also 80 Rappen) eine volle Mahlzeit zu erhalten oder ein Shirt zu kaufen – Dafür weiss man dann auch nicht so genau, was dort dann drin ist. Die Wahl fällt nicht immer einfach, aber mit einem guten Mix der beiden Welten fährt man nicht schlecht und auch ohne viel Geld auszugeben.