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Dubai.

Am Flughafen von Singapur sah ich eine Destination, die ich schon länger nicht mehr besucht hatte: Zürich. Ein wohlig-warmes Gefühl machte sich breit. Schon bald würde es nach Hause gehen… Aber erst stand noch eine anderes Ziel auf dem Programm: Dubai. Den dortigen Flughafen kannte ich ja schon von der Hinreise, nur würde ich ihn dieses Mal über den regulären Ausgang verlassen und nicht in einem startenden Flugzeug. Übrigens war auch in Dubai ein Flug nach Zürich auf der Anzeigetafel, aber ich liess mich nicht davon beirren.

Ich machte mich auf den Weg zur Metro, kaufte versehentlich das falsche Ticket und fuhr los. Die Metro fährt grösstenteils oberirdisch, wodurch man schon dadurch erfreulich viel sieht. Der Ausdruck “viel” ist dabei mit Vorsicht zu geniessen, denn das heutige Dubai besteht vor allem aus einem: Glastürmen. Mal in grösseren, mal in kleineren Ansammlungen gruppiert, dominieren moderne Wolkenkratzer das Stadtbild in alle Richtungen. Anders als in Singapur scheint sich aber hier niemand grössere Gedanken über das Erscheinungsbild gemacht zu haben, wodurch das Resultat dahingeklatscht und eintönig wirkt.

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Aussicht aus dem Appartment: Glas und Stahl soweit das Auge reicht.

Nur zu gern beherzigte ich also den Rat meines Gastgebers: Dubai hat eine Altstadt, die durchaus anders aussieht. In der Tat sieht es dort noch mehr oder weniger arabisch aus, wenn denn nicht die ganzen Läden wären. Sandbraun, ziemlich kubistisch, mit Moscheen und Minaretten hier und da. Nur war eben alles mit Geschäften durchsetzt. Und wenn sie nicht gerade Kleider, Elektronik oder Schmuck verkaufen, sind sie leider auch nicht besonder nützlich: Zwar gibt es für jede Lebenslage einen passenden Laden, aber meistens heisst es auf der Tür “Wholesale & Export Only”: Nur  für den Wiederverkauf oder Export bestimmt. So sind denn auch die ganzen Packungen nur Ausstellungsstücke, die tatsächliche Ware ist nicht im Laden. Und kaufen kann man natürlich auch nichts, die Ware ist für die Betreiber all dieser Megakomplexe bestimmt, denn deren Kundschaft will natürlich nicht selber einkaufen gehen, sondern lässt sich bedienen.

Dafür kommt total auf seine Kosten, wer auf Goldschmuck steht. Im Goldmarkt der Altstadt reiht sich ein Juwelier an den nächsten, und deren Ausstellungsstücke lassen sich wirklich sehen. Auch sehen lassen sich die Preise: Die teureren Objekte sprengen die Grenze von 100’000 Franken problemlos und hängen trotzdem einfach so im Schaufenster herum.

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Typische Läden im alten Dubai. Zu kaufen gibt es nichts, das ist alles nur für den Grosshandel.

Nach der Altstadt machte ich spontan noch einen Abstecher zur berühmten Palme, eine der künstlichen Inselformationen. Nachts ist das leider nicht besonders spektakulär, aber bei einem ungeplanten Erkundungstrip weiss man ja nie, was herauskommt. Gegessen habe ich im Atlantis aber doch ganz gut, und zu meiner Überraschung wurde im dortigen Restaurant auch Alkohol ausgeschenkt. Die Vereinigten Arabischen Emirate sind ja sonst als muslimisch regiertes Land strikt in der Auslegung des Koran, aber offenbar ist westliches Geld manchmal doch wichtiger.

Auf dem Weg nach Hause verspürte ich aber immer noch die Abenteuerlust und beschloss, den Weg von der Monorail, die man zum Besuch des Atlantis am einfachsten benützt, zur Metro zu Fuss zu bewältigen. Die Angestellten und Taxifahrer bei der Endstation schauten mich ungläubig an und rieten mir davon ab, es sei viel zu weit. Davon liess ich mich natürlich nicht beeindrucken und nahm die 2-3 km in Angriff. Tatsächlich erwiess sich der Spaziergang als erstaunlich einfach, denn Gehwege gibt es auch in Dubai überall, auch wenn sie kaum einer benutzt.

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Die grosse Stadtautobahn und eine Metrostation bei Nacht. Die Form des Bahnhofs erinnert mich etwas an die Reaper aus Mass Effect…

Das momentane Wahrzeichen der Stadt (das ändert ja quasi im Stundentakt, so viel wie in Dubai gebaut wird) ist ja der Burj Khalifa, das momentan höchste Gebäude der Welt. Natürlich liess ich mir das nicht entgehen und buchte eine Fahrt nach Oben zum Sonnenuntergang. Doch wo steht das Ding eigentlich? Nun, es gibt da eine Metrostation namens “Dubai Mall / Burj Khalifa”, das klang schonmal ganz gut. Die Mall selbst war dann auch gut ausgeschildert und den Turm sah man ja zum Fenster hinaus, also mal raus da und ohne Scheibe vor der Nase angucken. Ja, okay, das Ding ist hoch. Ziemlich hoch sogar. Aber wo ist nun der Eingang zum Sightseeing…? Nachdem ich einmal um das Ding herumgegangen war und beim Eingang stand, erklärte mir der freundliche Security, dass der Eingang zum Sightseeing in der Dubai Mall sei. Nur dass das nirgends in der Dubai Mall angeschrieben stand. Nochmal rundrum gelaufen, Eingang gefunden, und hoch gings.

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Selfie mit dem Burj Khalifa.

Aber wie hoch darf man da drin eigentlich? Nun, es gibt 2 verschiedene Plattformen, im 124. und im 155. Stockwerk. Diese befinden sich auf etwa 450 bzw. 550 Meter Höhe – Etwas enttäuschend dafür, dass der Turm selbst gut 800 Meter hoch ist. Der Preisunterschied ist zwischen den beiden Plattformen ist übrigens beträchtlich, und beim höheren Aussichtspunkt gibts eine zeitlich Begrenzung. Aber schon die 200 Dirham (ca. 50 Franken) für den ersten Aussichtspunkt empfand ich als ziemlich teuer, so dass ich es bei den 450 Metern beliess.

Der Sonnenuntergang selbst war aus meiner Sicht eher unspektakulär, da der viele Wüstensand in der Luft viel Licht schluckt. So sieht man trotz der enormen Höhe kaum 10 Kilometer weit, obwohl die Höhe an sich problemlos für 30 oder 40 Kilometer reichen würde. Dennoch blieb ich ziemlich lange da oben, denn Dubai bei Nacht ist mindestens von oben einige Blicke wert. Die Lichtspiele der Wolkenkrater, die beleuchteten Strassen und die vielen Autos sorgen für einen Mikrokosmos, den ich stundenlang beobachten könnte. Und fotografieren, natürlich!

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Abendliches Dubai von oben. Ja, die hellen Punkte sind alles Autos!

Noch ein Kommentar zur Dubai Mall: Schön und gross ist sie ja. Aber auch teuer. Für meinen Besuch auf dem Burj Khalifa wollte ich noch ein neues Objektiv für meine Kamera besorgen, ein Weitwinkel sollte es sein. Nach einer kurzen Internetrecherche hatte ich mich für ein Modell entschieden, suchte das Internet nach Preisen ab und setzte mir selbst eine Obergrenze, die ich bereit zu bezahlen war. Schon der erste kleine Shop auf dem Weg von der Metro zur Mall hatte das gesuchte Objektiv und mit etwas Handeln erhielt ich es auch tatsächlich zu einem Preis, der in meinem Spektrum war. Aus Neugierde besuchte ich dann diverse Elektronik- und Kameraläden in der Mall und verglich die Preise. Etwas überrascht stellte ich fest, dass ich offenbar den einzigen Laden mit vernünftigen Preisen gefunden hatte, denn in der Mall selbst war das gesuchte Objektiv in jedem einzelnen Laden etwa 25% teurer. Glück gehabt! Ein ähnliches Bild bot sich übrigens bei Markensonnenbrillen, deren Preise jenseits von Gut und Böse waren. Na, dann eben nicht.

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Dubai Mall. Weil Schlittschuhlaufen in der Wüste etwas völlig Natürliches ist.

Nach all den Stadterlebnisen stand zum Schluss noch eine Wüstensafari an, die mein Gastgeber empfohlen hatte. Ich wurde am Nachmittag direkt beim Appartment abgeholt, im klimatisierten Allrad gings ab ins weite Nichts. Nachdem der Fahrer erst erfolglos versuchte, uns eine überteuerte Ausfahrt auf Quads aufzuschwatzen, ging es los in die Sanddünen. Und wie! Hoch und runter, die schiefen Hänge hoch und runter, halb fahrend, halb schlitternd, immer wieder kontrolliert schleudernd… Also quasi wie auf einer Achterbahn, nur im Sand. Spass hats gemacht, aber offenbar bekommt das nicht jedem, denn das dritte Gefährt im Bunde war schon bald nicht mehr zu sehen – Vermutlich weil einem da drin doch recht schnell mal schlecht werden kann.

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Wüste. Jup, tatsächlich.

Und natürlich ergaben sich viele tolle Fotografiemöglichkeiten, so dass die Wüstensafari auch eine Fotosafari war – Mindestens für mich, denn auch in den endlosen Weiten der Wüste spielte das neue Weitwinkelobjektiv seine Stärken aus, wenn auch leicht verzerrt.

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Sand ohne Ende und zum Schluss auch überall an einem selbst.

Mein Fazit von Dubai: Alle mal einen Aufenthalt von einigen Tagen wert, aber mehr vermutlich auch nicht. Ausser man mag Strände, denn die gibts natürlich auch noch. Mindestens einen Besuch im älteren Dubai und einen Ausflug in die Wüste sind empfehlenswert, um etwas Abwechslung vom Betondschungel zu erhalten. Mehr Eindrücke, dieses Mal knapp 100 Fotos, gibts wie immer in der Fotogalerie.