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Die Sache mit den Fotos

Während ich diese Zeilen tippe, sitze ich im Zug nach Hause. Es dauert zwar noch eine ganze Weile, bis ich da bin, ganz zu Ende ist die Reise noch nicht. Die Zugfahrt dauert nämlich etwa 2 Tage und führt mich von Umeå im Norden von Schweden in die Schweiz. Und ich darf euch berichten, dass ich nicht ganz untätig war, auch wenn hier im Blog davon bisher nichts sichtbar ist.

Ich habe mich in den letzten Tagen und Wochen vor allem der riesigen Fotosammlung gewidmet, die in den fast 5 Monaten entstanden ist. Über 5’000 mal klappte der Spiegel der Kamera um, fast 1’500 Fotos haben es in die Bildergalerie geschafft, und natürlich erschlägt das jeden, der diese Zahlen sieht. Deshalb habe ich weiter aussortiert und zwei Querschnittsgalerien erstellt:

  • Die erste enthält die 175 Fotos der gesamten Reise, die mir besonders gut gefallen. Alle Bilder sind mit einer englischen und einer deutschen Erklärung versehen, die den Kontext oder den Inhalt beschreiben.
  • Die zweite Galerie ist noch einmal deutlich knapper gehalten und enhält meine 22 Lieblingsbilder, vor allem aus fotografischer Perspektive.

Viel Spass beim Durchschauen!

Dubai.

Am Flughafen von Singapur sah ich eine Destination, die ich schon länger nicht mehr besucht hatte: Zürich. Ein wohlig-warmes Gefühl machte sich breit. Schon bald würde es nach Hause gehen… Aber erst stand noch eine anderes Ziel auf dem Programm: Dubai. Den dortigen Flughafen kannte ich ja schon von der Hinreise, nur würde ich ihn dieses Mal über den regulären Ausgang verlassen und nicht in einem startenden Flugzeug. Übrigens war auch in Dubai ein Flug nach Zürich auf der Anzeigetafel, aber ich liess mich nicht davon beirren.

Ich machte mich auf den Weg zur Metro, kaufte versehentlich das falsche Ticket und fuhr los. Die Metro fährt grösstenteils oberirdisch, wodurch man schon dadurch erfreulich viel sieht. Der Ausdruck “viel” ist dabei mit Vorsicht zu geniessen, denn das heutige Dubai besteht vor allem aus einem: Glastürmen. Mal in grösseren, mal in kleineren Ansammlungen gruppiert, dominieren moderne Wolkenkratzer das Stadtbild in alle Richtungen. Anders als in Singapur scheint sich aber hier niemand grössere Gedanken über das Erscheinungsbild gemacht zu haben, wodurch das Resultat dahingeklatscht und eintönig wirkt.

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Aussicht aus dem Appartment: Glas und Stahl soweit das Auge reicht.

Nur zu gern beherzigte ich also den Rat meines Gastgebers: Dubai hat eine Altstadt, die durchaus anders aussieht. In der Tat sieht es dort noch mehr oder weniger arabisch aus, wenn denn nicht die ganzen Läden wären. Sandbraun, ziemlich kubistisch, mit Moscheen und Minaretten hier und da. Nur war eben alles mit Geschäften durchsetzt. Und wenn sie nicht gerade Kleider, Elektronik oder Schmuck verkaufen, sind sie leider auch nicht besonder nützlich: Zwar gibt es für jede Lebenslage einen passenden Laden, aber meistens heisst es auf der Tür “Wholesale & Export Only”: Nur  für den Wiederverkauf oder Export bestimmt. So sind denn auch die ganzen Packungen nur Ausstellungsstücke, die tatsächliche Ware ist nicht im Laden. Und kaufen kann man natürlich auch nichts, die Ware ist für die Betreiber all dieser Megakomplexe bestimmt, denn deren Kundschaft will natürlich nicht selber einkaufen gehen, sondern lässt sich bedienen.

Dafür kommt total auf seine Kosten, wer auf Goldschmuck steht. Im Goldmarkt der Altstadt reiht sich ein Juwelier an den nächsten, und deren Ausstellungsstücke lassen sich wirklich sehen. Auch sehen lassen sich die Preise: Die teureren Objekte sprengen die Grenze von 100’000 Franken problemlos und hängen trotzdem einfach so im Schaufenster herum.

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Typische Läden im alten Dubai. Zu kaufen gibt es nichts, das ist alles nur für den Grosshandel.

Nach der Altstadt machte ich spontan noch einen Abstecher zur berühmten Palme, eine der künstlichen Inselformationen. Nachts ist das leider nicht besonders spektakulär, aber bei einem ungeplanten Erkundungstrip weiss man ja nie, was herauskommt. Gegessen habe ich im Atlantis aber doch ganz gut, und zu meiner Überraschung wurde im dortigen Restaurant auch Alkohol ausgeschenkt. Die Vereinigten Arabischen Emirate sind ja sonst als muslimisch regiertes Land strikt in der Auslegung des Koran, aber offenbar ist westliches Geld manchmal doch wichtiger.

Auf dem Weg nach Hause verspürte ich aber immer noch die Abenteuerlust und beschloss, den Weg von der Monorail, die man zum Besuch des Atlantis am einfachsten benützt, zur Metro zu Fuss zu bewältigen. Die Angestellten und Taxifahrer bei der Endstation schauten mich ungläubig an und rieten mir davon ab, es sei viel zu weit. Davon liess ich mich natürlich nicht beeindrucken und nahm die 2-3 km in Angriff. Tatsächlich erwiess sich der Spaziergang als erstaunlich einfach, denn Gehwege gibt es auch in Dubai überall, auch wenn sie kaum einer benutzt.

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Die grosse Stadtautobahn und eine Metrostation bei Nacht. Die Form des Bahnhofs erinnert mich etwas an die Reaper aus Mass Effect…

Das momentane Wahrzeichen der Stadt (das ändert ja quasi im Stundentakt, so viel wie in Dubai gebaut wird) ist ja der Burj Khalifa, das momentan höchste Gebäude der Welt. Natürlich liess ich mir das nicht entgehen und buchte eine Fahrt nach Oben zum Sonnenuntergang. Doch wo steht das Ding eigentlich? Nun, es gibt da eine Metrostation namens “Dubai Mall / Burj Khalifa”, das klang schonmal ganz gut. Die Mall selbst war dann auch gut ausgeschildert und den Turm sah man ja zum Fenster hinaus, also mal raus da und ohne Scheibe vor der Nase angucken. Ja, okay, das Ding ist hoch. Ziemlich hoch sogar. Aber wo ist nun der Eingang zum Sightseeing…? Nachdem ich einmal um das Ding herumgegangen war und beim Eingang stand, erklärte mir der freundliche Security, dass der Eingang zum Sightseeing in der Dubai Mall sei. Nur dass das nirgends in der Dubai Mall angeschrieben stand. Nochmal rundrum gelaufen, Eingang gefunden, und hoch gings.

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Selfie mit dem Burj Khalifa.

Aber wie hoch darf man da drin eigentlich? Nun, es gibt 2 verschiedene Plattformen, im 124. und im 155. Stockwerk. Diese befinden sich auf etwa 450 bzw. 550 Meter Höhe – Etwas enttäuschend dafür, dass der Turm selbst gut 800 Meter hoch ist. Der Preisunterschied ist zwischen den beiden Plattformen ist übrigens beträchtlich, und beim höheren Aussichtspunkt gibts eine zeitlich Begrenzung. Aber schon die 200 Dirham (ca. 50 Franken) für den ersten Aussichtspunkt empfand ich als ziemlich teuer, so dass ich es bei den 450 Metern beliess.

Der Sonnenuntergang selbst war aus meiner Sicht eher unspektakulär, da der viele Wüstensand in der Luft viel Licht schluckt. So sieht man trotz der enormen Höhe kaum 10 Kilometer weit, obwohl die Höhe an sich problemlos für 30 oder 40 Kilometer reichen würde. Dennoch blieb ich ziemlich lange da oben, denn Dubai bei Nacht ist mindestens von oben einige Blicke wert. Die Lichtspiele der Wolkenkrater, die beleuchteten Strassen und die vielen Autos sorgen für einen Mikrokosmos, den ich stundenlang beobachten könnte. Und fotografieren, natürlich!

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Abendliches Dubai von oben. Ja, die hellen Punkte sind alles Autos!

Noch ein Kommentar zur Dubai Mall: Schön und gross ist sie ja. Aber auch teuer. Für meinen Besuch auf dem Burj Khalifa wollte ich noch ein neues Objektiv für meine Kamera besorgen, ein Weitwinkel sollte es sein. Nach einer kurzen Internetrecherche hatte ich mich für ein Modell entschieden, suchte das Internet nach Preisen ab und setzte mir selbst eine Obergrenze, die ich bereit zu bezahlen war. Schon der erste kleine Shop auf dem Weg von der Metro zur Mall hatte das gesuchte Objektiv und mit etwas Handeln erhielt ich es auch tatsächlich zu einem Preis, der in meinem Spektrum war. Aus Neugierde besuchte ich dann diverse Elektronik- und Kameraläden in der Mall und verglich die Preise. Etwas überrascht stellte ich fest, dass ich offenbar den einzigen Laden mit vernünftigen Preisen gefunden hatte, denn in der Mall selbst war das gesuchte Objektiv in jedem einzelnen Laden etwa 25% teurer. Glück gehabt! Ein ähnliches Bild bot sich übrigens bei Markensonnenbrillen, deren Preise jenseits von Gut und Böse waren. Na, dann eben nicht.

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Dubai Mall. Weil Schlittschuhlaufen in der Wüste etwas völlig Natürliches ist.

Nach all den Stadterlebnisen stand zum Schluss noch eine Wüstensafari an, die mein Gastgeber empfohlen hatte. Ich wurde am Nachmittag direkt beim Appartment abgeholt, im klimatisierten Allrad gings ab ins weite Nichts. Nachdem der Fahrer erst erfolglos versuchte, uns eine überteuerte Ausfahrt auf Quads aufzuschwatzen, ging es los in die Sanddünen. Und wie! Hoch und runter, die schiefen Hänge hoch und runter, halb fahrend, halb schlitternd, immer wieder kontrolliert schleudernd… Also quasi wie auf einer Achterbahn, nur im Sand. Spass hats gemacht, aber offenbar bekommt das nicht jedem, denn das dritte Gefährt im Bunde war schon bald nicht mehr zu sehen – Vermutlich weil einem da drin doch recht schnell mal schlecht werden kann.

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Wüste. Jup, tatsächlich.

Und natürlich ergaben sich viele tolle Fotografiemöglichkeiten, so dass die Wüstensafari auch eine Fotosafari war – Mindestens für mich, denn auch in den endlosen Weiten der Wüste spielte das neue Weitwinkelobjektiv seine Stärken aus, wenn auch leicht verzerrt.

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Sand ohne Ende und zum Schluss auch überall an einem selbst.

Mein Fazit von Dubai: Alle mal einen Aufenthalt von einigen Tagen wert, aber mehr vermutlich auch nicht. Ausser man mag Strände, denn die gibts natürlich auch noch. Mindestens einen Besuch im älteren Dubai und einen Ausflug in die Wüste sind empfehlenswert, um etwas Abwechslung vom Betondschungel zu erhalten. Mehr Eindrücke, dieses Mal knapp 100 Fotos, gibts wie immer in der Fotogalerie.

Der lange Weg nach Hause: Singapur

 

Wo war ich stehen geblieben? Achja, Kopi Luwak in Bali. Die etwas längere Pause hier auf dem Blog hat nicht (nur) damit zu tun, dass ich etwas faul geworden bin, sondern auch mit den Aktivitäten, die danach folgten. Ich verbrachte einige Tage (leider vor allem erkältet im Bett liegend) auf dem Pirates Retreat und besuchte anschliessend (wieder bei besserer Gesundheit) einen Meditationskurs in Sydney. In den letzten Tagen auf der Südhalbkugel repräsentierte ich schliesslich meine Alma Mater auf Austauschmessen für Studierende in zwei australischen Top-Unis.

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Zwei Touristen in einem Tunnel, ein Einheimischer sitzt am Rand – Ist er obdachlos oder sitzt er einfach so da? Man weiss es nicht. Singapur, übrigens.

Und dann ging es auch schon weiter: Mein Weg zurück nach Hause dauert insgesamt 5 Wochen und bringt mich in 4 weitere Länder. Die erste Destination war Singapur, ein kurzer Aufenthalt von 4 Nächten bei Freunden. Ums gleich vorwegzunehmen: Die Vorurteile über Singapur stimmen grössenteils. Die Stadt ist sauber und effizient aufgebaut, voller moderner Wolkenkratzer und reichen Ausländern. Die Stadt wird vom weltweiten Business und Tourismus getrieben, das ist unübersehbar. Und dass es oft, heftig, aber meistens nur kurz regnet, das fällt einem auch schnell auf.

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Wenn’s kommt, kommt’s dick!

Berühmt ist Singapur auch für die Skyline um Marina Bay. Ich bin oft zwiegespalten über Skylines, denn oft wirken sie zufällig zusammengewürfelt. Aber dadurch, dass in Singapur ein Stadtarchitekt mit Weitblick am Werk war und diese noch junge Tradition auch von seinen Nachfolgern beherzigt wird, wirken die vielen Wolkenkratzer harmonisch zusammen und sorgen für ein Gefühl von Welt, wie man es selten sieht. Und noch besser ist dieser Eindruck natürlich, wenn man das Bild in der Nacht irgendwo von weit oben bestaunen darf. Leider hatte ich in diesen Momenten meine Kamera nicht dabei, wodurch ich euch nur den Blick von unten zeigen kann.

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Marina Bay bei Nacht.

Singapur hat aber nicht nur Business, Wolkenkratzer und Regen zu bieten, sondern auch Parks und Gärten. Deren zwei habe ich fotografisch festgehalten, nämlich die Botanic Gardens und die Gardens by the Bay. Erstere sind dabei die älteren und mit über 150 Jahren auf dem Buckel schon beinahe prähistorisch für Singapur. Neben einem grossen Orchideenpark finden sich auch ein Abschnitt Regenwald und ein Ingwergarten auf dem grosszügig gestalteten Gelände. Ein beruhigendes Refugium für gehetzte Städter. Für mich, den Bierliebhaber, gabs sogar eine Minibrauerei mit Craft Beer!

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Und nachts ist vieles schön beleuchtet!

Die Gardens at the Bay bilden dann den modernen Konstrast zu den Botanic Gardens: Direkt hinter dem berühmten Marina Bay Sands Hotel gelegen, bilden sie eine gelungene Verbindung von moderner Architektur mit Gartenbau. Von Palmen inspirierte Gerüstbauten schiessen in die Höhe und tragen eine grüne Rinde aus Pflanzen um sich, es gibt Tunnels und Brücken und Seen und Teiche. Ausserdem gibt es jede Menge über die Pflanzen- und tierwelt zu lernen, denn der ganze Park ist ausgestattet mit Infotafeln und Hinweisen auf aussergewöhnliche Phänomene der Botanik. Leider machte mir hier der Regen einen dicken Strich durch die Rechnung, so dass ich einiges auslassen musste. Aber wer weiss, vielleicht gibt es ja ein nächstes Mal…

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Gardens by the Bay mit Marina Bay Sands im Hintergrund.

Wie immer finden sich mehr Bilder in der Galerie, dieses Mal mit einer ähnlichen Gliederung wie hier: Singapur bei Tag, Singapur bei Nacht, Botanic Gardens, Gardens by the Bay.

Bali.Play 2015

Nach der ersten Nacht im gemütlich Homestay ging es für mich weiter zur ersten Jonglierconvention dieses Jahres: Bali.Play! Es handelt sich dabei um eine kleine, einfach gehaltene Convention im ziemlich verwestlichten Seminyak. Dass sie klein und einfach gehalten ist, soll aber nicht über das Niveau hinwegtäuschen: Zwar waren wir insgesamt wohl nur etwa 50 Leute, die an den 5 Tagen den Weg zur Sunrise School gefunden haben, dafür fanden sich unter diesen gleich mehrere, die in ihren Disziplinen ohne weiteres zur Weltspitze gezählt werden dürfen. So genossen wir haufenweise Workshops unter direkter Betreuung der Meister ihres Faches, was die Woche äusserst lehrreich machte.

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Paola Berton aus Italien unterrichtet Hula Hoop.

Zu einer Convention gehören aber nicht nur Workshops, auch die Lokalität verdient ein Augenmerk: Die Sunrise School ist eine kleine Schule für westliche, offensichtlich nicht-versnobte Familien. Dass hier versucht wird, die lokale Kultur einzubinden, ist sehr lobenswert, denn leider steht dieser Punkt auf dieser Trauminsel oft nicht hoch auf der Prioritätenliste. Wir durften die Infrastruktur der Schule benutzen, weil gerade Ferien waren. Auch die Schulkantine war extra für uns in Betrieb und zauberte gar köstliche kühle Shakes und Juices, Cookies und Brownies, und auch ganze Mahlzeiten auf den Tisch.

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Ein Ökologierprojekt: Indonesien kennt Recycling kaum, weshalb Plastikflaschen meistens einfach verbrannt werden. Hier wird wenigstens ein kleines Bisschen entgegengewirkt.

Ein weiteres Merkmal von Conventions sind natürlich die Shows: An Tag 2 stand eine Cabaretshow an, bei der jeder mitmachen durfte, an Tag 5 dann die etwas hochstehendere Galashow. Im Vorfeld hiess es, dass für die Gala nur “professionelle Acts” mit Kostüm und Musik zugelassen seien, weshalb ich mich fürs Cabaret entschloss. Mein kurzer Jam mit dem Feuerlevi zu Parov Stelars Radio Mojo Gang verlief ganz gut, und nun habe ich definitiv Lust dazu, mal eine ordentliche Nummer dafür zu schreiben! Wer weiss, vielleicht findet die Premiere ja dann am Bali.Play 2016 statt… 🙂

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Wieviele verschiedene Tools kannst du erkennen und benennen?

Übernachtet haben wir übrigens mit einer grossen Gruppe in einer Mietvillasiedlung nicht weit entfernt. Wir waren so viele, dass wir fast die gesamte Siedlung besetzten – Man kann sich nun ja ausmalen, wie der Bereich um den zentralen Pool der Siedlung ausgesehen hat. Denn ja, auch Jongleure und Feuerkünstler haben ordentlich Durst…

Mehr Fotos von den ersten Tagen und Bali.Play gibts wie immer in der Bildergalerie!

Bali: Die ersten Eindrücke in Kerobokan

Auch mit Australien war irgendwann mal Schluss für mich, das nächste Ziel hiess Bali. Geplant waren vor allem zwei Aktivitäten: Flowen und Feuern, und ausserdem wollte ich endlich richtig tauchen gehen. Ich hatte die erste Hälfte des Tauchscheins ja bereits in der Tasche. So flog ich also erstmal von Cairns nach Darwin um dort festzustellen, dass unser Flugzeug erst mit deutlicher Verspätung in Darwin eintreffen würde. Ich machte mich also auf einen längeren Aufenthalt gefasst und nutzte die Gelegenheit, mit diversen Leuten zuhause via Skype zu telefonieren. Nach rund 4 Stunden in einem viel zu stark heruntergekühlten Warteraum ging es denn aber mit 2 Stunden Verspätung doch mal los.

Wir landeten um halb 4 morgens. Ich war bei der Einreise auf das Schlimmste gefasst; Ich hatte einige mehr oder weniger unagenehme Stories darüber gelesen und war mir insbesondere nicht so sicher, wie sauber meine neu erstandene Gürteltasche wohl ist. Ich hatte sie ein paar Tage zuvor bei einem Strassenmagier gegen einen Levitation Wand ertauscht, sie enthielt nicht unbeträchtliche Mengen an Tabakresten und anderem, unidentifizierbarem Material…

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Ein typischer Homestay im Süden Balis

Alle Befürchtungen erwiesen sich als übertrieben: Sowohl Zoll- als auch Einreisebehörden liessen mich ohne Weiteres gewähren, ich kam problemlos an. Nur dass die Tageszeit etwas ungünstig für weitere Aktivitäten war. Ich suchte mir also eine gutes Plätzchen um etwas Schlaf nachzuholen, fand auf der Abflugsebene eine lange Reihe von Couches mit diversen schlafenden Backpackern, suchte mir selbst eine freie Couch und schlief erstmal bis um 7 Uhr.

Nach einem ausgiebigen Frühstück zu West-Preisen – ich befand mich ja noch im Flughafen – machte ich mich ziemlich müde dazu auf, ein Taxi zu suchen, dass mich zu meinem nächsten Homestay bringen sollte. Dabei bin ich das erste Mal über die ungewohnten Zahlen in Indonesien gestolpert, wenn es um Geldbeträge geht. Als Tourist, der das erste Mal diese Insel bereist, hat man nämlich gleich mit zwei Schwierigkeiten zu kämpfen: Erstens sind, wie angesprochen, die Zahlen ungewöhnlich gross. Beim aktuellen Wechselkurs entsprechen 100’000 indonesische Rupien etwa 8 Franken. Zweitens hat man keine Ahnung vom hiesigen Preisniveau und kann deshalb aufs erste Mal kaum einschätzen, ob ein angebotener Preis für eine Taxifahrt nun günstig ist oder nicht. (Hinweis: Nein, ist er nicht, schliesslich muss man ja so viel Geld aus den Touristen rausquetschen wie nur irgendwie möglich…)

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Der Blick aufs Viertel

Ich bezahlte also viel zu viel für meine erste Taxifahrt und bestaunte den Verkehr. Der ist für den Europäer nämlich vor allem eines: Chaotisch. Der Balinese fährt Scooter, überholt links und rechts wie es ihm beliebt (er würde bestimmt auch drüber und drunter überholen, wenn die Gesetze der Physik dies ohne grösseren Aufwand zuliessen), hupt immer mal wieder freundlich, interessiert sich nicht für Strassenmarkierungen, aber immerhin hält er an roten Ampeln. Damit ist die Beschreibung des Verkehrs aber nicht zu Ende: Hat man sich mal an diese Tatsachen gewöhnt, zeigt sich der Verkehr als äusserst flüssig und harmonisch. Es gibt kaum Agressionen auf der Strasse, jeder fährt für sich und respektiert die anderen Verkehrsteilnehmer. Und hupen bedeutet hier “Achtung, ich bin auch noch da” und ist kein Agressionsventil.

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Ein Scooter kostet hier übrigens um die 1000 Franken und ist absolut notwendig zur schnellen Fortbewegung auf kurzen bis mittleren Strecken.

Nach den Preisen fällt einem auch bald auf, dass es hier gewissermassen zwei Welten gibt, die friedlich nebeneinander (oder ineinander) existieren: Einerseits gibt es da die Orte, die für westliche Touristen gemacht sind, dementsprechende Preise verlangen, aber auch die bekannten Standards bezüglich Umgang, Hygiene, Ausstattung, usw. erfüllen. Und andererseits gibt es gerade in den Bereichen Shopping und Essen die andere Welt für die Locals. Dort ist es dann kein Problem, für 10’000 Rupien (also 80 Rappen) eine volle Mahlzeit zu erhalten oder ein Shirt zu kaufen – Dafür weiss man dann auch nicht so genau, was dort dann drin ist. Die Wahl fällt nicht immer einfach, aber mit einem guten Mix der beiden Welten fährt man nicht schlecht und auch ohne viel Geld auszugeben.

Am Ziel: Cairns und der Daintree-Regenwald

Schliesslich erreichte ich nach gut 5 Wochen und etwa 6’000 Kilometern die letzte Destination meines Roadtrips: Cairns. In der Gegend hier wollte ich etwas mehr als eine Woche verbringen, um erst den Daintree National Park mit darin liegendem Regenwald zu besuchen und dann Tauchen zu erlernen.

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Daintree. In der Tat, es ist ein tropischer Regenwald, mit Lianen und allem was dazugehört.

Es war ein regenreicher und stürmischer Tag, als ich ankam: Zyklon Nathan sorgte schon seit Tagen für eine angespannte Stimmung, da er beim ersten Anlauf Richtung Küste doch noch einmal abdrehte. Das bedeutete aber auch, dass die nächsten paar Tage vermutlich ruhig und trocken sein sollten. Ideal für einige Wanderungen im Regenwald also.

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Snapper Island und das Delta des Daintree Rivers

Zum Daintree Rainforest gibt es auch wieder einige aussergewöhnliche Fakten zu berichten: So gilt er mit einem Alter von über 100 Millionen Jahren als der älteste Regenwald der Erde und wird von einigen prähistorischen Pflanzen bewohnt. Evolution zum Anfassen quasi!  Wobei: Anfassen ist keine besonders schlaue Idee, denn in diesem Regenwald sind nicht nur die Tiere, sondern auch die meisten Pflanzen mit Stacheln und Haken aller Grössen ausgerüstet. Es empfiehlt sich, lange und nicht zu dünne Kleidung zu tragen, wenn man eine Wanderung ohne Kratzer überstehen will.

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Auch die Küste hat es in sich: Dank Krokodilen und Quallen sollte man besser nicht am Strand schwimmen gehen.

Aber das ist nicht das einzige Unangenehme in diesem Wald: Offenbar sind Wanderungen zu dieser Jahreszeit nicht besonders beliebt, sodass alle Wege voll mit Spinnennetzen sind. Nach ein paar hundert abgeräumten Netzen entwickelt man dann aber doch eine gewisse Toleranz, sind doch die meisten Netze von kleinen, ungefährlichen Spinnen gewoben. Hab ich gesagt “die meisten”? Ja, ich meinte es so:

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Diese Nephila Pilipes, auch bekannt als Giant Golden Orb Weaver, die sich gerade gehäutet hat, hat die überschaubare Körperlänge von ca. 6cm und Beinlänge von ca. 12cm und ist damit eine der grössten Spinnen der Welt. Und sie ist giftig, aber nicht tödlich. Und ich bin in ihr Netz reingelatscht, ohne dass etwas passiert ist…

Daneben gabs noch diverse Vögel, unter anderem ein seltenes Cassowary, Kookabooras und Kingfisher… Und Käfer.

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Keine Ahnung, wie dieser nette kleine Käfer heisst, aber sein Körper war so gross wie mein Daumen und die Antennen zwischen 10 und 15 cm lang. Niedlich, nicht wahr?

Gefunden habe ich diese Tiere übrigens auf der Wanderung zum Mount Sorrow Outlook. Dieser Aussichtspunkt liegt auf über 600 Metern Höhe, aber weniger als 4 Kilometer von der Strasse entfernt, was zu einer entsprechend steilen und anstrengenden Wanderung führt. Und ganz ungefährlich ist sie auch nicht, es sind offenbar schon mehrere Male Personen spurlos verschwunden. Aber vielleicht hängt das ja auch damit zusammen, dass es die offizielle Empfehlung ist, seine Fäkalien mindestens 100 Meter vom Wanderweg weit vergraben soll. Bei einem dichten Urwald in steilem Geläden ist es natürlich eine prächtige Idee, sich so weit vom markierten Weg zu entfernen, denn zurück findet man sicherlich nicht mehr…

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Ausblick vom Mount Sorrow Outlook, mit einem der zahllosen Schmetterlinge des Daintree Nationalparks.

Nach den zwei Tagen im Regenwald fuhr ich zurück nach Cairns. Die nächsten 5 Tage wollte ich einen Tauchkurs absolvieren: Die ersten 2 Tage theoretische Grundlagen und erste Praxis um präparierten Swimming Pool, gefolgt von 3 Tagen draussen im Great Barrier Reef. Die 2 Tage in der Tauchschule absolvierte ich mühelos, aber schon bald war klar: Zyklon Nathan stand wieder vor der Tür und verunmöglichte es, auf den Ozean raus zu fahren. Immerhin ist die bisherige Schulung nicht vergebens: Ich kann die Schulungstauchgänge im Meer draussen dann auf Bali absolvieren, ohne nochmal durch das ganze Programm gehen zu müssen.

Von Nathan selbst hat man dann in Cairns allerdings kaum etwas gespürt: Er traf deutlich weiter nördlich auf dem Kontinent ein, wodurch die Absage der Tour etwas seltsam erscheint, herrschte hier in Cairns doch durchgehend schönes Wetter. Auf den Inseln draussen soll es aber ordentlich getobt haben. Wie auch immer, ich genoss die freien Tage mit erneutem Faulenzen, etwas Baden im Pool, Bücher lesen, und nicht zuletzt: Bloggen.

Mehr Bilder aus dem Daintree Nationalpark gibts wie immer in der Galerie, dieses Mal deren 30.

Feucht, Nass, und dann auch noch Regen: Whitsunday Islands

Nach dem Sandabenteuer auf Fraser Island ging es schlagartig weiter, denn nur 2 Tage später war ich für eine Segeltour auf den Whitsunday Islands gebucht. Die sind aber rund 800km oder 9-10 Autostunden nördlich gelegen, was für einen weiteren Roadtrip-Tag sorgen sollte. Glücklicherweise fand ich auf der Fraser-Tour 2 Belgier, die ebenfalls unterwegs zu den Whitsundays waren und es bevorzugten, bei mir im Auto mitzufahren statt den Greyhound zu benutzen. Mit 3 Fahrern, die jeweils gut 3 Stunden hinterm Steuer sassen, liess sich die Strecke zügig und ohne gefährliche Müdigkeit befahren, sodass wir Airlie Beach, den Ausgangspunkt für Whitsunday-Reisen, bereits gegen 18 Uhr erreichten.

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Der Hafen von Airlie Beach

Tags darauf ging es nach dem Mittagessen los aufs Segelboot: Die Silent Night sollte es sein, ein bereits etwas älteres Rennsegelboot, aber immer noch gut im Schuss, ausgestattet mit 12 Schlafplätzen. Bei leicht bewölktem Wetter, aber ordentlichem Wind, segelten wir also los. Unser Captain hatte seinen Spass daran, immer mal wieder eine der grossen Wellen so anzufahren, dass wir Passagiere, die auf der Luv-Kante des Bootes sassen, ordentlich geduscht wurden. Die Abkühlung davon war willkommen, die Unausweichlichkeit eher weniger. Aber schliesslich kamen wir an und gingen ein erstes Mal Schnorcheln, und darauf wollte ich nicht verzichten: Schliesslich sind die Whitsundays ein küstennaher Ausläufer des berühmten Great Barrier Reefs und mit Korallen geschmückt. Und um es kurz zu machen: Yup, in Korallenriffs zu schnorcheln ist so cool wie es sich anhört und schöner, als man es aus Filmen kennt. Die Farben und Formen der Korallen sind unvergleichlich schön, die Fische von fabelhafter Vielfalt, ich hätte Stunden dort unten verbringen können. Leider mussten wir dann aber doch irgendwann weiter zu unserem Ankerplatz zwischen Hook und Whitsunday Island.

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Sonnenuntergang vor Hook Island

Tags darauf segelten wir dann um Whitsunday Island herum, und dieses Mal durften wir auch einige Manöver zum Drehen des Bootes durchführen. Da ich meistens weit vorne sass, durfte ich im besten Jump-and-Run-Stil auf Kommando zur Lee-Seite des Bootes rüberklettern. Unser Ziel war das Postkartenmotiv der Whitsundays schlechthin: Whitehaven Beach, ein scheinbar endloser, weisser Sandstrand mit türkis-blauem Wasser. Leider war das Wetter an diesem Tag durchzogen, mit vielen Windböen und ständig aufkommendem Regen, wodurch meine Fotos nicht besonders spektakulär ausfielen – Aber sehenswert sind sie allemal. Den Spass liessen wir uns auch nicht vermiesen, gab es doch auch so einiges zu sehen: Riesige Schildkröten im tiefen Wasser, Stechrochen im flachen Wasser, dazu wieder Unmengen an Vögeln und Echsen im Regenwald. Meinem Handy bekam die ungewöhnliche Mischung von Regenwasser, Sand und Meerwasser nicht besonders, so dass es trotz einer wasserdichten Tüte über mehrere Stunden wahlweise die Sim-Karte oder die SD-Karte nicht akzeptieren wollte…

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Whitehaven Beach, bewölkt

Danach segelten wir weiter, wieder mit einigen Manövern, um erneut Schnorcheln zu gehen. Unser Tourguide erwähnte einen hier wohnenden Napoleon-Lippfisch, den wir vielleicht sehen würden. In freudiger Erwartung stürzten wir uns also in die Stinger Suits, die uns vor Quallen schützen sollen, zogen die unbequemen Taucherbrillen an und sprangen ins Wasser. Wir mussten nicht lange suchen: Der riesige Fisch schwamm nach dem Untertauchen direkt vor meiner Nase, begleitet von mannigfaltigen Fischschwärmen in allen Farben. Was für ein Anblick!

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Die Silent Night, unser Segelboot

Auch hier hätte ich noch lange bleiben können, doch erneut mussten wir bald weiter fahren um unseren nächtlichen Ankerplatz aufzusuchen. Mittlerweile hatte der Regen aufgehört, sodass wir einige Kleider trocknen konnten – Aber nicht für lange, denn bald nach Einbruch der Dunkelheit sollte es schon wieder regnen. Fix spannten wir eine Plane über den Ausleger, damit wir uns nicht alle in die doch etwas enge Kabine quetschen mussten.

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Hayman Island, ein 6-Sterne-Resort. Für ein Mittagessen sollte man mit 2000 CHF pro Person rechnen.

Am letzten Morgen schien dann endlich die Sonne! Nachdem die Sicht im Korallenriff bei den ersten beiden Schnorchelplätzen aufgrund des Regens nicht besonders gut war, hatten wir dieses Mal wenigstens die erhellenden Sonnenstrahlen, die für eine satte Farbenpracht sorgten und so auch den dritten Tauchgang zu einem Spektakel machten.

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Fussspuren auf Whitehaven Beach

Auf dem Weg zurück nach Airlie Beach zeigte unser Captain dann noch, wozu dieses Boot wirklich fähig war, und führte es oft so hart am Wind, dass das Deck der Lee-Seite unter Wasser war. Ein Blick auf die andere Seite des Bootes fühlte sich denn auch so an, als stünden wir praktisch senkrecht im Wasser, aber der tatsächlich Winkel dürfte um die 45 Grad betragen haben.

Ach, und Fotos gibts natürlich auch dieses Mal, aber “nur” deren 42.

Sand, Sand, und noch mehr Sand: Fraser Island

Nach dem Besuch des Crystal Castles fuhr ich nach Brisbane zu einem befreundeten Feuerspieler, den ich auf den Festivals in Neuseeland kennengelernt hatte. Es blieben mir nun noch etwa 2 Wochen, bis ich von Cairns nach Bali fliegen würde. Ein Blick auf den Kalender sowie ein erleichterndes Überprüfen des Kontostandes später beschloss ich, für die letzten grossen Sehenswürdigkeiten, die allesamt etwas schwieriger alleine zu erkunden sind, Abenteuertouren zu buchen. Erstes Ziel: Fraser Island.

Diese Insel ist in vielerlei Hinsicht herausragend:

  • Erstens ist sie mit über 1800 Quadratkilometern die wahrscheinlich grösste Sandinsel der Welt. Rund 125 km lang, etwa 15-20 km breit. Und alles ist aus Sand.
  • Zweitens beherbergt sie gut Unmengen an Tieren: Neben Schlangen, Spinnen und Waranen (ja, da hab ich nun einen gesehen) leben auf Fraser Island etwa 150 Dingos, die verwilderten, wolfsähnlichen Haushunde. Sie sind äusserst agressiv und nicht ungefährlich, und mögen vor allem eines: Essen klauen.
  • Drittens ist sie fast vollständig mit Regenwald bewachsen, der auf Sand doch etwas anderes funktioniert als andere Regenwälder. Nur in Symbiose mit einem speziellen Pilz schaffen es die Bäume, wirklich Wurzeln zu schlagen.
  • Viertens finden sich rund 200 Süsswasserseen auf ihr, die meisten davon unglaublich rein und klar, denn sie sind vor allem von hochreinem Quarzsand umgeben. Rund 40 dieser Seen bestehen aus schwebendem Grundwasser, ohne Zu- und Abfluss – Von dieser Art See sind weltweit rund 80 Stück bekannt. (Stichwort: Perched Lake.)
  • Fünftens sind dann natürlich auch die Bachbette aus Sand. Ein seltener Anblick.
  • Sechstens braucht es aufgrund des Sandes sowohl ein geeignetes Fahrzeug als auch einen wirklich guten Fahrer, um auf der Insel vorwärts zu kommen. Vierradantrieb ist Pflicht, besser ein richtiger Jeep oder im Idealfall eine Spezialanfertigung. Habt ihr gewusst, dass so ein Sandstrand bei Ebbe eine tolle Strasse abgibt, auf der man problemlos 80 km/h fahren kann?
  • Siebtens verändert sich die Insel aufgrund ihrer Sandnatur wahnsinning schnell: Die riesigen Wanderdünen bewegen sich mit etwa einem Meter pro Jahr vorwärts und zerstören alles, was sich in den Weg stellt. Unter anderem auch die SS Mohena, die dort gestrandet ist und nun vor sich hin rostet bzw. vom Sand verschluckt wird.

In 2 Tagen sind so 79 Fotos entstanden, die die Natur von ihrer gewaltigsten, aber auch schönsten Seite zeigen. Dieses Mal inklusive Luftfotos aus einer Cessna!

Ein Loch im Zelt

Der letzte Eintrag berichtete kurz von Byron Bay und dem Crystal Castle. Aber wie kam ich eigentlich dort hin? Wir erinnern uns: Ich schrieb nicht viel darüber, aber ich war in und um Sydney und landete schliesslich in Newcastle, etwa 2 Stunden nördlich von Sydney.

Von dort aus fuhr ich weiter Richtung Brisbane. Ich teilte die Fahrt von etwa 9 Stunden in 3 Etappen auf, um nach einem eher enttäuschenden Zwischenhalt bei Murray’s Craft Brewing Co. [Review bei Ratebeer] einmal mehr die Nationalparks aufzusuchen. Die Wanderungen blieben für ein Mal aus, ich genoss stattdessen die Ruhe, meditierte ausgiebig und schrieb Postkarten (nicht zu verwechseln mit Ansichtskarten, das werden die zahlreichen Empfänger auch noch feststellen müssen). Aus diesem Grund gibt es von diesen Tagen auch wenig Spektakuläres zu berichten. Doch halt, wenig ist nicht nichts!

Im Yuraygir hat sich die Fauna nämlich sowohl von ihrer guten wie auch von ihrer schlechten Seite gezeigt. Im von mir auserwählten Campingplatz wimmelte es nämlich von Kängurus. Am Abend vergnügten sich da einfach mal mindestens 10 von ihnen in unmittelbarer Nähe meines Zelts. Angeblich tummeln sich dort auch Warane und Emus, aber deren Anblick blieb mir (vorerst!) leider verwehrt. Dafür durfte ich des Nachts feststellen, dass sich auch anderes Getier dort herumtreibt.

Ein leises, aber kontinuierliches Rascheln weckte mich. Ich beschloss, dass da wohl ausserhalb des Zeltes irgend ein Tier entweder die Bananenschale oder die leere Müsliriegel-Verpackung, die in meinem Zelt lagen, riechen muss und blieb liegen. Nach einer Weile konnte ich nicht mehr verneinen, dass das Geräusch doch von näher kam, von innerhalb des Zeltes. Für 2 Sekunden schob ich das Rascheln auf Wind und die Riegelpackung oder vielleicht eine umherrollende Wasserflasche, bis mir auffiel, dass dieser Gedanke völlig absurd war, denn es war windstill. Also: Licht an.

Da war ein Loch im Netz des Innenzelts, in etwa einem halben Meter Höhe. Und ausserdem sass da eine Ratte in der Ecke und schaute mich mit tiefschwarzen Augen an. Das gierige Biest hatte wohl meine Essensreste gerochen. Jedenfalls hat es sich tatsächlich entlang des halboffenen Reisverschlusses des Aussenzelts hochgehangelt, von wo aus es ein Loch in das belüftende Netz des Innenzelts nagen konnte. Aus dem Innenzelt heraus gab es dann aber keine rettende Kletterhilfe, wodurch die Ratte gefangen war. Seufzend und mein nun kaputtes Zelt betrauernd half ich der Ratte mit meinen Flipflops durch die mittlerweile geöffnete Zelttür und verbrachte die letzten Stunden der Nacht mehr wach als schlafend, denn mit Loch im Zelt war das Wohlbefinden beträchtlich gestört.

Und Fotos? Fotos gabs deren 28 nach Newcastle bis und mit Crystal Castle.

Bilder statt Worte [Updated]

  • Lake Hume, Mount Granya, Holbrook: 14 Fotos, mit einem See voller Bäume und vielen Spinnen. Und einem gestrandeten U-Boot.
  • Blue Mountains, mit Three Sisters und Wentworth Falls: 48 Fotos, in einem Canyon mit bläulichem schimmerndem Wald, vielen Felsen und Wasserfällen.
  • Sydney: 27 Fotos, mit dem Coogee Beach, dem Museum of Contemporary Art, dem Opera House und der Cricketweltmeisterschaft. Sic!
  • Newcastle: [20 Fotos 33 Fotos], mit Stephan, vielen Strandfotos und etwas Getier, das dort kreucht und fleucht.

Update: 13 weitere Bilder von einem Sonnenaufgang in Newcastle.