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Feucht, Nass, und dann auch noch Regen: Whitsunday Islands

Nach dem Sandabenteuer auf Fraser Island ging es schlagartig weiter, denn nur 2 Tage später war ich für eine Segeltour auf den Whitsunday Islands gebucht. Die sind aber rund 800km oder 9-10 Autostunden nördlich gelegen, was für einen weiteren Roadtrip-Tag sorgen sollte. Glücklicherweise fand ich auf der Fraser-Tour 2 Belgier, die ebenfalls unterwegs zu den Whitsundays waren und es bevorzugten, bei mir im Auto mitzufahren statt den Greyhound zu benutzen. Mit 3 Fahrern, die jeweils gut 3 Stunden hinterm Steuer sassen, liess sich die Strecke zügig und ohne gefährliche Müdigkeit befahren, sodass wir Airlie Beach, den Ausgangspunkt für Whitsunday-Reisen, bereits gegen 18 Uhr erreichten.

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Der Hafen von Airlie Beach

Tags darauf ging es nach dem Mittagessen los aufs Segelboot: Die Silent Night sollte es sein, ein bereits etwas älteres Rennsegelboot, aber immer noch gut im Schuss, ausgestattet mit 12 Schlafplätzen. Bei leicht bewölktem Wetter, aber ordentlichem Wind, segelten wir also los. Unser Captain hatte seinen Spass daran, immer mal wieder eine der grossen Wellen so anzufahren, dass wir Passagiere, die auf der Luv-Kante des Bootes sassen, ordentlich geduscht wurden. Die Abkühlung davon war willkommen, die Unausweichlichkeit eher weniger. Aber schliesslich kamen wir an und gingen ein erstes Mal Schnorcheln, und darauf wollte ich nicht verzichten: Schliesslich sind die Whitsundays ein küstennaher Ausläufer des berühmten Great Barrier Reefs und mit Korallen geschmückt. Und um es kurz zu machen: Yup, in Korallenriffs zu schnorcheln ist so cool wie es sich anhört und schöner, als man es aus Filmen kennt. Die Farben und Formen der Korallen sind unvergleichlich schön, die Fische von fabelhafter Vielfalt, ich hätte Stunden dort unten verbringen können. Leider mussten wir dann aber doch irgendwann weiter zu unserem Ankerplatz zwischen Hook und Whitsunday Island.

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Sonnenuntergang vor Hook Island

Tags darauf segelten wir dann um Whitsunday Island herum, und dieses Mal durften wir auch einige Manöver zum Drehen des Bootes durchführen. Da ich meistens weit vorne sass, durfte ich im besten Jump-and-Run-Stil auf Kommando zur Lee-Seite des Bootes rüberklettern. Unser Ziel war das Postkartenmotiv der Whitsundays schlechthin: Whitehaven Beach, ein scheinbar endloser, weisser Sandstrand mit türkis-blauem Wasser. Leider war das Wetter an diesem Tag durchzogen, mit vielen Windböen und ständig aufkommendem Regen, wodurch meine Fotos nicht besonders spektakulär ausfielen – Aber sehenswert sind sie allemal. Den Spass liessen wir uns auch nicht vermiesen, gab es doch auch so einiges zu sehen: Riesige Schildkröten im tiefen Wasser, Stechrochen im flachen Wasser, dazu wieder Unmengen an Vögeln und Echsen im Regenwald. Meinem Handy bekam die ungewöhnliche Mischung von Regenwasser, Sand und Meerwasser nicht besonders, so dass es trotz einer wasserdichten Tüte über mehrere Stunden wahlweise die Sim-Karte oder die SD-Karte nicht akzeptieren wollte…

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Whitehaven Beach, bewölkt

Danach segelten wir weiter, wieder mit einigen Manövern, um erneut Schnorcheln zu gehen. Unser Tourguide erwähnte einen hier wohnenden Napoleon-Lippfisch, den wir vielleicht sehen würden. In freudiger Erwartung stürzten wir uns also in die Stinger Suits, die uns vor Quallen schützen sollen, zogen die unbequemen Taucherbrillen an und sprangen ins Wasser. Wir mussten nicht lange suchen: Der riesige Fisch schwamm nach dem Untertauchen direkt vor meiner Nase, begleitet von mannigfaltigen Fischschwärmen in allen Farben. Was für ein Anblick!

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Die Silent Night, unser Segelboot

Auch hier hätte ich noch lange bleiben können, doch erneut mussten wir bald weiter fahren um unseren nächtlichen Ankerplatz aufzusuchen. Mittlerweile hatte der Regen aufgehört, sodass wir einige Kleider trocknen konnten – Aber nicht für lange, denn bald nach Einbruch der Dunkelheit sollte es schon wieder regnen. Fix spannten wir eine Plane über den Ausleger, damit wir uns nicht alle in die doch etwas enge Kabine quetschen mussten.

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Hayman Island, ein 6-Sterne-Resort. Für ein Mittagessen sollte man mit 2000 CHF pro Person rechnen.

Am letzten Morgen schien dann endlich die Sonne! Nachdem die Sicht im Korallenriff bei den ersten beiden Schnorchelplätzen aufgrund des Regens nicht besonders gut war, hatten wir dieses Mal wenigstens die erhellenden Sonnenstrahlen, die für eine satte Farbenpracht sorgten und so auch den dritten Tauchgang zu einem Spektakel machten.

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Fussspuren auf Whitehaven Beach

Auf dem Weg zurück nach Airlie Beach zeigte unser Captain dann noch, wozu dieses Boot wirklich fähig war, und führte es oft so hart am Wind, dass das Deck der Lee-Seite unter Wasser war. Ein Blick auf die andere Seite des Bootes fühlte sich denn auch so an, als stünden wir praktisch senkrecht im Wasser, aber der tatsächlich Winkel dürfte um die 45 Grad betragen haben.

Ach, und Fotos gibts natürlich auch dieses Mal, aber “nur” deren 42.

Sand, Sand, und noch mehr Sand: Fraser Island

Nach dem Besuch des Crystal Castles fuhr ich nach Brisbane zu einem befreundeten Feuerspieler, den ich auf den Festivals in Neuseeland kennengelernt hatte. Es blieben mir nun noch etwa 2 Wochen, bis ich von Cairns nach Bali fliegen würde. Ein Blick auf den Kalender sowie ein erleichterndes Überprüfen des Kontostandes später beschloss ich, für die letzten grossen Sehenswürdigkeiten, die allesamt etwas schwieriger alleine zu erkunden sind, Abenteuertouren zu buchen. Erstes Ziel: Fraser Island.

Diese Insel ist in vielerlei Hinsicht herausragend:

  • Erstens ist sie mit über 1800 Quadratkilometern die wahrscheinlich grösste Sandinsel der Welt. Rund 125 km lang, etwa 15-20 km breit. Und alles ist aus Sand.
  • Zweitens beherbergt sie gut Unmengen an Tieren: Neben Schlangen, Spinnen und Waranen (ja, da hab ich nun einen gesehen) leben auf Fraser Island etwa 150 Dingos, die verwilderten, wolfsähnlichen Haushunde. Sie sind äusserst agressiv und nicht ungefährlich, und mögen vor allem eines: Essen klauen.
  • Drittens ist sie fast vollständig mit Regenwald bewachsen, der auf Sand doch etwas anderes funktioniert als andere Regenwälder. Nur in Symbiose mit einem speziellen Pilz schaffen es die Bäume, wirklich Wurzeln zu schlagen.
  • Viertens finden sich rund 200 Süsswasserseen auf ihr, die meisten davon unglaublich rein und klar, denn sie sind vor allem von hochreinem Quarzsand umgeben. Rund 40 dieser Seen bestehen aus schwebendem Grundwasser, ohne Zu- und Abfluss – Von dieser Art See sind weltweit rund 80 Stück bekannt. (Stichwort: Perched Lake.)
  • Fünftens sind dann natürlich auch die Bachbette aus Sand. Ein seltener Anblick.
  • Sechstens braucht es aufgrund des Sandes sowohl ein geeignetes Fahrzeug als auch einen wirklich guten Fahrer, um auf der Insel vorwärts zu kommen. Vierradantrieb ist Pflicht, besser ein richtiger Jeep oder im Idealfall eine Spezialanfertigung. Habt ihr gewusst, dass so ein Sandstrand bei Ebbe eine tolle Strasse abgibt, auf der man problemlos 80 km/h fahren kann?
  • Siebtens verändert sich die Insel aufgrund ihrer Sandnatur wahnsinning schnell: Die riesigen Wanderdünen bewegen sich mit etwa einem Meter pro Jahr vorwärts und zerstören alles, was sich in den Weg stellt. Unter anderem auch die SS Mohena, die dort gestrandet ist und nun vor sich hin rostet bzw. vom Sand verschluckt wird.

In 2 Tagen sind so 79 Fotos entstanden, die die Natur von ihrer gewaltigsten, aber auch schönsten Seite zeigen. Dieses Mal inklusive Luftfotos aus einer Cessna!

Ein Loch im Zelt

Der letzte Eintrag berichtete kurz von Byron Bay und dem Crystal Castle. Aber wie kam ich eigentlich dort hin? Wir erinnern uns: Ich schrieb nicht viel darüber, aber ich war in und um Sydney und landete schliesslich in Newcastle, etwa 2 Stunden nördlich von Sydney.

Von dort aus fuhr ich weiter Richtung Brisbane. Ich teilte die Fahrt von etwa 9 Stunden in 3 Etappen auf, um nach einem eher enttäuschenden Zwischenhalt bei Murray’s Craft Brewing Co. [Review bei Ratebeer] einmal mehr die Nationalparks aufzusuchen. Die Wanderungen blieben für ein Mal aus, ich genoss stattdessen die Ruhe, meditierte ausgiebig und schrieb Postkarten (nicht zu verwechseln mit Ansichtskarten, das werden die zahlreichen Empfänger auch noch feststellen müssen). Aus diesem Grund gibt es von diesen Tagen auch wenig Spektakuläres zu berichten. Doch halt, wenig ist nicht nichts!

Im Yuraygir hat sich die Fauna nämlich sowohl von ihrer guten wie auch von ihrer schlechten Seite gezeigt. Im von mir auserwählten Campingplatz wimmelte es nämlich von Kängurus. Am Abend vergnügten sich da einfach mal mindestens 10 von ihnen in unmittelbarer Nähe meines Zelts. Angeblich tummeln sich dort auch Warane und Emus, aber deren Anblick blieb mir (vorerst!) leider verwehrt. Dafür durfte ich des Nachts feststellen, dass sich auch anderes Getier dort herumtreibt.

Ein leises, aber kontinuierliches Rascheln weckte mich. Ich beschloss, dass da wohl ausserhalb des Zeltes irgend ein Tier entweder die Bananenschale oder die leere Müsliriegel-Verpackung, die in meinem Zelt lagen, riechen muss und blieb liegen. Nach einer Weile konnte ich nicht mehr verneinen, dass das Geräusch doch von näher kam, von innerhalb des Zeltes. Für 2 Sekunden schob ich das Rascheln auf Wind und die Riegelpackung oder vielleicht eine umherrollende Wasserflasche, bis mir auffiel, dass dieser Gedanke völlig absurd war, denn es war windstill. Also: Licht an.

Da war ein Loch im Netz des Innenzelts, in etwa einem halben Meter Höhe. Und ausserdem sass da eine Ratte in der Ecke und schaute mich mit tiefschwarzen Augen an. Das gierige Biest hatte wohl meine Essensreste gerochen. Jedenfalls hat es sich tatsächlich entlang des halboffenen Reisverschlusses des Aussenzelts hochgehangelt, von wo aus es ein Loch in das belüftende Netz des Innenzelts nagen konnte. Aus dem Innenzelt heraus gab es dann aber keine rettende Kletterhilfe, wodurch die Ratte gefangen war. Seufzend und mein nun kaputtes Zelt betrauernd half ich der Ratte mit meinen Flipflops durch die mittlerweile geöffnete Zelttür und verbrachte die letzten Stunden der Nacht mehr wach als schlafend, denn mit Loch im Zelt war das Wohlbefinden beträchtlich gestört.

Und Fotos? Fotos gabs deren 28 nach Newcastle bis und mit Crystal Castle.

A Spontaneous Invitation

As I started my drive from Byron Bay to Brisbane I noticed a hitchhiker. She looked colourful and happy. I stopped and asked where she was headed. After she explained the local geography to me we agreed that Mullumbimby would not be much of a detour for me, and somehow that name rang a bell within me anyway; I invited her to come with me.

On our way we told each other of our homes and what keeps us going. She concluded that I would absolutely have to visit the Crystal Castle, just 10 minutes from Mullumbimby by car. It wasn’t something I had planned for, but still: I followed her invitation to explore. And what I have found! It starts with this quote from Oriah Mountain Dreamer’s The Invitation.


 

It doesn’t interest me what you do for a living. I want to know what you ache for and if you dare to dream of meeting your heart’s longing.

It doesn’t interest me how old you are. I want to know if you will risk looking like a fool for love, for your dream, for the adventure of being alive.

It doesn’t interest me what planets are squaring your moon. I want to know if you have touched the center of your own sorrow, if you have been opened by life’s betrayals or have become shrivelled and closed from fear of further pain.

I want to know if you can sit with pain, mine or your own, without moving to hide it, or fade it, or fix it.

I want to know if you can be with joy, mine or your own; if you can dance with the wildness and let the ecstasy fill you to the tips of your fingers and toes without cautioning us to be careful, be realistic, remember the limitations of being human.

It does’nt interest me if the story you are telling me is true. I want to know if you can disappoint another to be true to yourself. If you can bear the accusation of betrayal and not betray your own soul. If you can be faithless and therefore trustworthy.

I want to know if you can see beauty even when it is not pretty every day. And if you can source your own life from its presence.

I want to know if you can live with failure, yours and mine, and still stand at the edge of the lake and shout to the silver of the full moon, ‘Yes.’

It doesn’t interest me to know where you live or how much money you have. I want to know if you can get up after the night of grief and despair, weary and bruised to the bone and what needs to be done to feed the children.

It doesn’t interest me who you know or how you came to be here. I want to know if you will stand in the center of the fire with me and not shrink back.

It doesn’t interest me where or what or with whom you have studies. I want to know what sustains you from the inside when all else falls away.

I want to know if you can be alone with yourself and if you truly like the company you keep in the empty moments.

Bilder statt Worte [Updated]

  • Lake Hume, Mount Granya, Holbrook: 14 Fotos, mit einem See voller Bäume und vielen Spinnen. Und einem gestrandeten U-Boot.
  • Blue Mountains, mit Three Sisters und Wentworth Falls: 48 Fotos, in einem Canyon mit bläulichem schimmerndem Wald, vielen Felsen und Wasserfällen.
  • Sydney: 27 Fotos, mit dem Coogee Beach, dem Museum of Contemporary Art, dem Opera House und der Cricketweltmeisterschaft. Sic!
  • Newcastle: [20 Fotos 33 Fotos], mit Stephan, vielen Strandfotos und etwas Getier, das dort kreucht und fleucht.

Update: 13 weitere Bilder von einem Sonnenaufgang in Newcastle.

Tag 54: Ein Monolog

Es ist Donnerstag Morgen, ich befinde mich in einem hell ausgestatteten Zimmer in Coogee, Sydney. 53 Nächte sind vergangen, seit ich loszog, um die Welt (oder mindenstens einige weit entfernte, mir unbekannte Teile davon)  zu sehen. Deren 88 werden noch folgen. Eigentlich kein schlechter Zeitpunkt für eine Bestandesaufnahme.

Ich bin müde.

In Neuseeland habe ich einen gesunden Mix zwischen Umherreisen und stationären Festivals erwischt. Der rasante Roadtrip voller herausragender Landschaften in der Einsamkeit hatte mich ausgelaugt, ich sehnte mich nach etwas Ruhe und… Menschen. Ja, auch ich, der Einzelgänger, der gerne und oft alleine Projekte und Reisen plant und durchführt, sehnte mich nach Mitstreitern. Die mir nahe stehen, die fragen, wie es mir geht und das nicht nur als Höflichkeitsfloskel verstehen. Mit denen man Erlebnisse teilen kann.

Ich fand sie. Auf den Festivals in Neuseeland, über 2 Wochen mit den selben tollen Menschen um mich herum. Und ich war glücklich, hatte eine wundervolle Zeit, spürte viel Kraft in mir, sprühte vor Kreativität, riss Projekte an. Ich genoss die Zeit sehr, war mir bewusst, wie gut es mir ging. Und dass das nicht immer so sein würde. Nach den Festivals verliess ich Neuseeland, geräuschlos weinend.

Es folgte Australien. Auch ein schönes Land, ich durfte auch hier unzählige Naturwunder bestaunen, manch eines rührte mich gar zu Tränen. Auch hier machte ich faszinierende Bekanntschaften. Aber aufgrund meiner Reisepläne und des steten Weiterfahrens sollten sie für den Moment alle nur kurz ausgelebt werden können.

Ich eile von Ort zu Ort, von Stadt zum Nationalpark und weiter in die nächste Stadt. Lerne Menschen flüchtig kennen und weiss, dass ich sie nie wieder sehen werde. Trinke einen Kaffee hier, esse einen Pie dort, genehmige mir ein lokales Craftbeer, oft mit dem Smartphone in der Hand. Es ist das kleine Fenster zur Welt der Menschen, nach denen ich mich sehne. Familie, Freunde, Feuerkünstler, Trinkkumpanen: Gute Gesellschaft, die mir nahe steht. Ich wurde bereits kritisiert, ich sei zu oft auf Facebook und schreibe zu viele Blogposts, so könne ich den Urlaub doch gar nicht geniessen! Dabei tue ich das doch nur, weil ich euch liebe.

Bald ist Mittag. Ich habe die Stadt noch fast gar nicht erkundet, das sollte ich wohl mal tun. Auch wenn ich müde bin. Etwas angewidert betrachte ich den Kalender: Die nächsten 2 Wochen werden ähnlich wie die letzten. Immerhin treffe ich unterwegs Menschen, die ich schon länger kenne, das wird mich aufheitern.  Und dann kommen ja wieder Zeiten mit weniger Reisehast: Tauchen in Cairns, Jonglierfestivals auf Bali, Meditationskurs in Sydney. Keine schlechten Aussichten.

Weiterhin zerbreche ich mir den Kopf darüber, wo und wie ich den letzten Monat verbringen soll. Ich beschliesse, dass der aktuelle Gemütszustand nicht der richtige ist, um weiter darüber nachzudenken, packe meine Jongliersachen in den Rucksack und fahre los, Sydney doch noch zu erkunden.

Eine Wanderung und eine Party

Melbourne befindet sich nahe (heisst hier: In 250 km Entfernung) am südlichsten Punkt des australischen Festlandes, der wiederum in einem Nationalpark, Wilsons Promontory, liegt. Ich wollte schon länger eine etwas ausgiebigere Wanderung unternehmen, die auch mal mehr als nur einen Tag dauert. Ich beschloss, eben diesen südlichsten Punkt zu besuchen: Wenn ich am ersten Tag gegen Mittag beim Parkplatz ankommen sollte, müssten die mit 4,5 Stunden angegebenen 12 km doch eigentlich ganz gut machbar sein… Tags darauf wären dann 7 km zum South Point und zurück sowie die 12 km zurück zum Parkplatz angesagt.

Der erste Tag der Wanderung verlief dann auch wie am Schnürchen: Wie von Neuseeland gewohnt waren die 4,5 Stunden äusserst grosszügig berechnet, so dass ich trotz Nachmittagshitze und einigen Pausen bereits nach 3,5 Stunden am Campingplatz ankam. Leider war der Wanderweg dort hin ziemlich enttäuschend, bewegte ich mich doch ausschliesslich auf breiten, Jeep-tauglichen Kiesstrassen und äusserst grosszügig angelegten, mehr als einen Meter breiten Buschwegen. Noch bei guten Kräften und hungrig nach einer grösseren Herausforderung überlegte ich mir nun, die Wanderung etwas zu erweitern: Ich könnte ja bereits jetzt am Abend noch zum Sonnenuntergang zum South Pount gehen und am nächsten Tag den Rückweg etwas verlängern. In Gesprächen mit anderen Wanderern liess ich mich jedoch von einer anderen Idee überzeugen: Etwas weiter weg lag das typische Ziel von Wanderungen in diesem Nationalpark geben, der Leuchtturm. Das würde die 7 km auf 12 erhöhen.

Ich änderte also meine Pläne, ging früh schlafen und startete zeitig auf die 24 Kilometer, die heute vor mir lagen. In der Zwischenzeit musste ich auch feststellen, dass ich an meiner Essensplanung durchaus noch etwas feilen kann. die Snacks und das Brot gingen ganz gut auf, aber bei den Brotbeilagen war ich mit Hummus, Käse, Erdnusbutter und Pesto etwas gar grosszügig. Eins davon hätte auch gereicht, und so schleppte ich einige Kilo zu viel durch den Nationalpark. Meine Wasserrechnung ging mit 6 Litern für 1,5 Tage aber sehr gut auf, und auch sonst brauchte ich fast alles mitgebrachte.

Der Abschnitt zum Leuchtturm und zurück war dann durchaus etwas interessanter, aber auch dieser Weg und der Leuchtturm konnten mich nicht wirklich begeistern. Vielleicht bin ich doch schon etwas verwöhnt vom deutlich spektakuläreren Neuseeland und dem roten Zentrum Australiens? Ein paar wenige Fotos gabs trotzdem, aber ich war mehr mit Rucksacktragen als mit Fotografieren beschäftigt. Immerhin gabs allerlei wildes Getier: Ich schreckte (wieder mal) ein Wallaby auf, sah das erste Mal Schlangen in der freien Wildbahn (mindestens eine davon potentiell lebensgefährlich) und entdeckte Echsen und Vögel in allen Grössen und Farben. [7 Fotos]

Am späten Nachmittag traf ich hundemüde, aber glücklich über meine erste total unabhängige zweitägige Wanderung, wieder beim Parkplatz ein. Und nun, wohin? Ich war etwas unschlüssig. Zurück in die Stadt? Doch mal an den Strand? Mehr Wanderungen? Der Südküste entlang Richtung Sydney losfahren? Keine der Optionen machte mich wirklich glücklich. Ich erinnerte mich daran, dass bei meinen Gastgebern in Melbourne eine Party stattfinden sollte. Ich war mir zwar nicht so sicher, ob ich nach der ausgiebigen Wanderung und der langen Autofahrt (250 km, man erinnere sich) noch viel von der Party haben würde, aber nachdem ich seit den Festivals in Neuseeland keine tolle Fete mehr hatte, sehnte ich mich nach dicken Bässen und ausgelassener Stimmung. Ausserdem hatte ich mich tags zuvor nicht richtig von meinen Gastgebern verabschieden können…

Ich fuhr also wieder nach Melbourne. Ich traf recht früh ein, was mir die Gelegenheit für eine wohl verdiente wie auch dringend benötigte Dusche gab, zog die ausgefallenste Kleidung meiner spärlichen Reisegarderobe an, und liess michauf der Party einfach treiben. Und tatsächlich war diese Party genau das, was ich brauchte: Ich frage mich ja, woher ich diese Energiereserven nahm, hätte doch nach der langen Wanderung und der Autofahrt nicht mehr viel Kraft übrig bleiben sollen, aber ich tanzte trotzdem bis tief in die Nacht und legte mich erst gegen 4 Uhr früh schlafen. Ein rundum erfüllender Tag ging zu Ende.

Städte und Strassen im Süden

Nach den grandiosen Tagen im Zentrum Australien startete ich den zweiten Roadtrip meiner Reise, und dieser sollte deutlich länger ausfallen: Von Adelaide in Südaustralien nach Cairns im Nordosten war das Ziel, durch die Flüge vorgegeben in 38 Tagen. Zwischenstops hatte ich dabei noch keine gross eingeplant, ausser den fast unumgänglichen Städtebesuchen in Melbourne, Sydney und Brisbane. Der Routenplaner spuckt dafür übrigns rund 4’000 Kilometer aus, aber verteilt auf die 38 Tage klingt das doch eigentlich ganz gut machbar.

Ich kam also donnerstags in Adelaide an, holte meinen Mietwagen ab (Kostenpunkt: Schlappe 30 Franken pro Tag für einen ziemlich neuen, schnittig roten Hyundai Elantra), checkte im Hostel ein (wo ich erstmal von einer Schweizerin an den Rezeption begrüsst wurde), machte meinen ersten Abstecher in den Ozean und fuhr gleich schon am nächsten Morgen los Richtung Melbourne. Warum ich es so eilig hatte? Nun, wie ich von meinen Freunden in Melbourne wusste, findet dort jeweils Sonntag Nachmittag ein grosser Flow Arts Spin Jam statt, und das wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Ich brachte also in 3 Tagen wieder mal deutlich mehr als 1’000 km unter die Räder und quetschte die berühmte Great Ocean Road in einen Morgen rein. Zugegebenermassen könnte man dort noch viel mehr Zeit verbringen: Die Steilküsten bieten einen durchaus sehenswerten Anblick, Regenwald hat man auch nicht alle Tage, die Strände sahen alle ganz nett aus… Aber am meisten Spass hatte ich doch einfach daran, mit Tempomat der kurvigen Küstenstrasse entlang zu cruisen und alles an mir vorbeiziehen zu lassen. Ich fühlte mich frei und genoss das Gefühl, genau dort anhalten zu können, wo ich wollte. Und das war bei meiner Fahrlaune nun mal nicht oft, was denn auch die eher spärliche Anzahl Fotos von diesem Abschnitt erklärt. [37 Fotos]

In Melbourne selbst blieb ich dann ein paar Tage, die ich mit etwas Sightseeing, einigem Flow Arts Training und viel Faulenzen verbrachte. In den Tagen zuvor hatte ich meine Entscheidung bezüglich der weiteren Reisepläne getroffen und benötigte dringend etwas Entspannung, die ich mir so holte. Nach dem erfolglosen Versuch, am Donnerstag Morgen ein Ticket für den Burning man zu ergattern (Na, vielleicht klappts ja noch auf anderem Wege…), hatte ich aber auch wieder genug vom süssen Nichtstun und der pulsierenden Grossstadt mit so vielen Menschen. Ich fühlte mich eingeengt und wollte nur noch eines: Fliehen, am besten in die Natur.

Per Anhalter nach Christchurch: Teil 2

Ich sass also endlich, nach geschlagenen 6 Stunden Autostoppen und dem Aufgeben nahe, in einem Auto nach Christchurch. Die Fahrt verlief anfangs ohne grosse Ereignisse: Eine Snackpause hier, mal auftanken dort, Landschaften vorbeiziehen sehen, dazu etwas Musik im Hintergrund, typische Reisegespräche, manchmal etwas Regen, aber meistens Sonne. Insbesondere die Aussicht nach Überquerung des Louis Pass war überwältigend, und so fuhren wir sehr guter Stimmung und recht zügig Richtung Christchurch.

Dass wir etwas zu zügig unterwegs waren, ist mir zwar auch auf der Rückbank aufgefallen, aber ein Blick auf den Tacho sagte mir, dass nicht so viel schief gehen kann: Etwa 120 km/h bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 km/h, auf leeren, breiten Strassen. Ich hatte es zwar nicht eilig, aber die beiden Jungs vorne würden ja schon wissen, was sie riskieren wollen und was nicht. Der Plan sah vor, dass mich die Jungs in Christchurch bei einem Freund abladen, dann zu einem Gratis-Campingplatz fahren und sich in den kommenden Tagen eine Arbeit suchen, denn sie waren quasi pleite. Also alles im Lot? Ich war müde und döste ein wenig.

Als ich wieder aufwachte, ergab sich ein deutlich anderes Bild: Rechts am Strassenrand ein Polizeiwagen mit Blaulicht, unser Fahrer etwas bleich, fluchend am Runterbremsen – Nach etwa 3-4 Sekunden zeigte der Tacho dann auch wieder nur 100 km/h an. “Now where are you going that you’re that much in a hurry?” – “Well, we’re going to Christchurch to camp and then find a job, we’re not that much in a hurry actually…”. Der Polizist war freundlich, aber bestimmt, und lies bei einer derart hohen Geschwindigkeitsübertretung – 150 km/h – wie zu erwarten kein Gnade walten. Fahrausweisentzug für 28 Tage, eine Busse von 630 Neuseelanddollar (ca. 450 Franken), bezahlbar ebenfalls innert 28 Tagen. Noch dazu konnte der Beifahrer auch nicht fahren, was dann hiess: Ich musste ran für den Rest der Strecke.

So fand ich mich also unverhofft hinterm Steuer eines Autos wieder. Ans Links-Fahren hatte ich mich bereits auf dem Roadtrip gewöhnt, aber nach 2500 Kilometern Automatik-Getriebe ist eine manuelle Schaltung erstmal eine ordentliche Umstellung für einen nicht besonders routinierten Fahrer wie mich. Ich hab also erst mal direkt vor den Augen des Polizisten den Motor einige Male abgewürgt und den Gang nicht gefunden – Ich hätte mich nicht gewundert, wenn er uns gleich nochmal angehalten hätte um mich zur Rede zu stellen.

Er liess uns jedoch ziehen, und nach einigen Minuten kam ich mit dem Schalthebel auf der ungewohnten linken Seite ganz gut klar. Bis Christchurch war es auch nicht mehr weit, weniger als 100 km. Für mich war die ganze Angelegenheit nicht so ein Problem, aber für die beiden Jungs schon, insbesondere für den Fahrer – Ohne Auto ist es doch nicht ganz so leicht, einen Job in der Industrie oder im Gewerbe zu finden, da öffentliche Verkehrsmittel in Neuseeland nicht weit verbreitet sind und eher sporadisch fahren. Dazu noch die Busse, die doch recht schnell beglichen werden musste… Ich war erstaunt, wie wenig sich die beiden über ihr selbstverschuldetes Unglück Sorgen machten, zeigten einen starken Willen, suchten neue Lösungen und lehnten finanzielle Hilfe ab, noch bevor ich das überhaupt ansprechen konnte.

Aber ich konnte ihnen immerhin mit dem Wagen helfen, und irgendwo würden sie ja auch übernachten müssen. Ich hatte noch 2 Tage Zeit in Christchurch und nicht viel geplant ausser organisatorische Dinge für Australien vorzubereiten. Der Plan wurde also notgedrungen wiefolgt abgeändert: Sie wollten sich ein Hostel suchen, in dem sie einige Wochen oder Monate bleiben und dabei hoffentlich den Wagen dort stehen lassen können. Es war jedoch bereits nach 20 Uhr; Alle Hostels waren entweder ausgebucht oder bereits nicht mehr bedient. Wir fuhren also erstmal zu meinem Freund, den ich bereits via SMS über mögliche Komplikationen warnte.

Bei ihm angekommen suchten die Jungs erst noch via Internet weitere Hostels, gaben es aber ziemlich bald wieder auf – Alles voll. Es bleib ihnen nicht viel anderes übrig, als eine Nacht im Auto zu übernachten und am nächsten Morgen erneut das Glück zu suchen. Glücklicherweise stand der Wagen auf einem Privatgrundstück, denn in den Städten ist Freedom Camping, wozu auch Übernachten im Auto gehört, verboten – Und noch mehr Ärger mit der Polizei wollte in diesem Moment niemand.

So endete ein ziemlich verrückter Tag – Für mich, wie auch für die beiden Jungs. Sie fanden dann übrigens am nächsten Morgen recht schnell ein Hostel. Ich fuhr sie hin, verabschiedete mich und machte mich auf, die Innenstadt von Christchurch aufzusuchen.

Roadtrip, Teil 3: Mount Roberts, Lake Rotoiti, Ozeanbewohner und Kaikoura

Nach über 2500 km auf der Strasse in 10 Tagen ist mein Roadtrip nun beendet, in wenigen Stunden gebe ich den Mietwagen zurück und fahre auch gleich los zum ersten Festival! Diese letzten 2 Tage hatten es aber noch ganz schön in sich:

  • Hike: Mount Roberts, Lake Rotoiti. Die letzte Tageswanderung führte mich zu einem wundervollen Aussichtspunkt, das Wetter trug das Seinige dazu bei, um wunderbare Landschaftsfotos zu schiessen. Dazu alles voller frischem Morgentau, ein Traum für den Hobbyfotografen und -wanderer.
  • Whale Watching, Kaikoura. Als letztes Event hatte ich eine Whale Watching Tour in Kaikoura gebucht. Ebenfalls bei strahlendem Sonnenschein, aber ziemlich windigen Verhältnissen (eigentlich etwas, was für mich kaum noch speziell ist, denn windig ists hier immer), ging es mit einem Schiff raus auf den Ozean. Ob wir wohl einen Wal zu sehen bekommen würden? Es habe hier in der Nähe meistens zwei Pottwale, man sehe sie sehr häufig. Tatsächlich hatte ein weiteres Boot, das vor uns auslief, auch bereits einen gefunden. So fanden wir den Wal also auch problemlos, ein 20 Meter langer Pottwal… Sehr beeindruckend! Danach war die Tour aber noch nicht zu Ende: Wir besuchten noch einen Delfinschwarm, der nach einigem Zögern und Herantasten dann doch noch die viel gerühmte akrobatische Verspieltheit demonstrierte. Zum Schluss gabs dann noch den einen oder anderen Seelöwen sowie angeblich einige Quallen, die ich aber nicht entdeckte. Aber ich hatte ja auch so viel ozeanisches Wildlife auf nächster Nähe betrachten dürfen.

So, aber nun sag ich erstmal Tschüss und bis bald! Bis am 4. Februar treibe ich mich auf Festivals herum, Laptop und Kamera bleiben hier in Christchurch. Man liest sich.